Hundert Jahre haben die Passionsspiele im Weinviertler Dorf Eibesthal bei Mistelbach geruht, bevor sie in der ungewöhnlichen Form des Figurentheaters neu belebt wurden. An mehreren Wochenenden vom 28. Februar bis zum 5. April 2015 finden die Aufführungen in der mit einer großen Bühne versehenen Pfarrkirche statt. LaienspielerInnen aus dem Ort führen die Holzfiguren, die rund einen Meter hoch sind und von slowakischen Künstlern geschaffen wurden. Regie führt ein deutscher Puppentheater-Profi. Der Text stammt von einem heimischen Theologen. Eine eigene Passionsmusik wurde für Bläser und Orgel von einem niederösterreichischen Künstler komponiert und wird von MusikerInnen aus dem Ort gespielt. Im Zentrum der Bühnenausstattung steht eine nachgebaute Weinviertler Weinpresse. Unter den europäischen Passionsspielorten sticht die Eibesthaler Passion nicht nur durch ihre einzigartige Form hervor, sondern auch, durch ihre knappe Spiellänge und den Text, der sich an nur am Evangelium des Eibesthaler Kirchenpatrons Markus orientiert.
Passionsspiele wurden in Eibesthal bereits zwischen 1898 und 1911 in großem Stil in einer eigens dafür erbauten Halle gespielt und waren überregional bekannt. Nach dem 1. Weltkrieg fehlten die Mittel um die Spiele zu revitalisieren. Die Idee wieder Passionsspiele aufzuführen blieb allerdings über die Jahrzehnte hinweg erhalten. Durch die Anregung der Stadtgemeinde Mistelbach, eine Verknüpfung der Eibesthaler Passionsspieltradition mit den internationalen Mistelbacher Puppentheatertagen zu schaffen, kam es zu der Entwicklung eines Passionsspieles mit Figuren. 1999 und 2000 fanden die beiden ersten Spielsaisonen statt. Das Echo war groß und man beschloss die Spiele künftig jedes fünfte Jahr in der Fastenzeit aufzuführen. Der nächste Aufführungszyklus findet demnach von Februar bis April 2015 statt.
Es sind insgesamt 26 kolorierte Holzfiguren, die rund einen Meter hoch sind und von dem slowakischen Puppentheater - Künstlern Jana Pogorielova und Anton Dusa aus Bansky Bystrica geschaffen wurden. Sie erinnern in ihrer Art an Figuren aus gotischen Flügelaltären, wie sie sich in der Heimat der beiden slowakischen Künstler finden. Das Künstlerpaar hat mit dieser Arbeit ihr Lebenswerk geschaffen. Rund zwanzig in Kutten gewandete LaienspielerInnen aus Eibesthal führen die Figuren. Wie selbstverständlich führen dabei zB. auch Frauen Apostelfiguren und geben ihnen ihre Stimme.
Der Eibesthaler Theologe Andreas Strobl schuf einen Text, der sich an das Evangelium des Markus anlehnt, da dieser der Kirchenpatron von Eibesthal ist. So entsteht ein Passionsspiel, dass mit rund eineinhalb Stunden eine moderate Spiellänge hat und somit der Aufnahmefähigkeit des Publikums sehr entgegenkommt.
Für die Regie zeichnet Volkmar Funke, eine professioneller Regisseur und Puppentheaterspieler aus Deutschland verantwortlich. Der Komponist Gerhart Banco aus Pöchlarn hat die Passionsmusik für Bläser und Orgel, die live von heimischen MusikerInnen gespielt wird, geschaffen. Musikalischer Leiter ist der Eibesthaler Franz Stättner, der sich sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene einen Namen im Blasmusikverband gemacht hat. Professionelles Lichtdesign und Tontechnik kommen von der Firma Axetone aus Pottendorf bei Wien und EJ Lighting and Stage Design aus Mistelbach.
Im Jahr 2014 wurde eine Arbeitsgemeinschaft in Form einer Gesellschaft nach bürgerlichem Recht (GesnbR) gegründet, in der alle beteiligten Vereine und Organisationen rechtlich zusammengefasst sind. Die offizielle Bezeichnung lautet seit dem „ARGE Eibesthaler Passion“. Die organisatorische Leitung liegt beim Eibesthaler Reinhard Gindl. In Kooperation mit Andreas Strobl und einem Steuerungsteam werden die Spiele organisatorisch vorbereitet.
Der Altarraum der Eibesthaler Kirche wird von den Dorfbewohnern zu einer Bühne umgebaut. Im Mittelpunkt der Bühne steht eine nachgebaute Weinpresse, aus der verschiedene Kulissenbilder entwickelt werden können. Die Presse ist Ausdruck der Weinviertler Kultur und ein altes Symbol für den Leidensweg Christi: wie die Traube gekeltert wird, um zu Wein zu werden, so ist auch Christus durch das Leiden gegangen um dann aufzuerstehen.
Termine: Sa, 28.2. (Premiere) 19.00 Uhr, So. 1., 8., 15., 22. + 29.3. jeweils um 15.00 Uhr, Sa. 7., 14., 21. + 28.3. jeweils um 19.00 Uhr, So. 5.4. um 18.00 Uhr
Ort: Pfarrkirche Eibesthal
Karten: 02572/2515-4380 Kulturamt Stadtgemeinde Mistelbach, passion@mistelbach.at , www.eibesthaler-passion.at
Aussender: ARGE Eibesthaler Passion, www.eibesthaler-passion.at