„Lulu“ von Frank Wedekind wurde vom Autor 1913 aus seinen beiden Stücken Erdgeist und Die Büchse der Pandora zu einer Tragödie in fünf Aufzügen mit einem Prolog zusammengefasst. Sie schildert den sozialen Aufstieg einer jungen Frau aus prekären Verhältnissen, die nichts hat als ihren Körper. Den verkauft sie meistbietend und gelangt so in höhere Kreise. Kaum verehelicht, beginnt ein gnadenloser Abstieg.
In der Auseinandersetzung mit Wedekinds „Lulu“ in der Bühnenfassung von Dirk Brauner und David Stöhr steht für den Regisseur David Stöhr der Lebenshunger und die bedingungslose Bejahung des Lebens von Lulu im Zentrum. „Sie traut sich ihren Körper und ihr Leben freizügig zu bejahen, selbst wenn ihr ein Abgrund oder Gewalt begegnen. Lulu ist erstaunlich, weil sie gegenüber den starken Männern der Moral viel mächtiger ist“, so David Stöhr. „Anstatt in ihrer Qual auf eine frohe Zukunft zu hoffen, will sie ihr Leben hier und jetzt fröhlich leben. Ihre Mitmenschen versuchen durch Druck, Macht und Gewalt Kontrolle über sie zu erlangen. Aber selbst die grausamsten Versuche scheitern an diesem Wesen“, so der aus Nordrhein-Westfahlen stammende Regisseur weiter.
Für die Hauptdarstellerin Marie-Luise Stockinger ist Lulu ein Wesen, dessen Natürlichkeit und Unbedarftheit die krankhafte, entstellte bürgerliche Moral entblößt. „Spannend und schwierig für mich auf den Proben war die Erkenntnis: Lulus „Verderblichkeit“ ist nicht bewusst geführt, sie treibt niemanden bewusst in seinen Niedergang. Ihre Verderblichkeit für die Männer geht von ihrem bloßen Sein aus“, so die Absolventin. Seit Dezember ist die junge talentierte Darstellerin am Theater in der Josefstadt in „Die Kameliendame“ engagiert.
David Stöhr: 1987 in Siegen, Nordrhein-Westfahlen, geboren. 2006-2012 Studium der Psychologie in Wien und Coaching-Ausbildung in Berlin. Neben dem Studium Trainer für private Weiterbildungsinstitute, für Unternehmensberatungen und in der Lehre an der Medizinischen Universität Wien. Seit 2012 studiert David Stöhr am Max Reinhardt Seminar Regie. Er hat dort bereits eine eigene Fassung von Euripides „Medea“ inszeniert und „Zerbombt“ von Sarah Kane.
Regie: David Stöhr | Dramaturgie: Dirk Brauner | Bühne: Sarah Sassen |
Kostüme: Agnes Burghardt | Musik: Bernhard Eder |
Mit: Pauline Fusban, Marie-Luise Stockinger (Lulu), Stefan Gorski, Lennart Lemster, Andrei Viorel Tacu, Luka Vlatkovic, und Lukas Watzl
Gastspiel des Max Reinhardt Seminar
Freitag, 6. März 2015, Theaterwerkstatt Landestheater Niederösterreich
Kartenvorverkauf: niederösterreich kultur karten, Rathausplatz 19, 3100 St. Pölten, Tel 02742/90 80 80 600, Fax 02742/90 80 83, karten@landestheater.net , www.landestheater.net
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