Vortrag von Dr. Wolfgang Gasser
3. Vortrag aus der VHS-Vortragsreihe zur internationalen Fotoausstellung „Das sichtbare Unfassbare“ – Fotografien vom Konzentrationslager Mauthausen, Schloss Ulmerfeld
Während der Herrschaft des NS-Regimes 1938 bis 1945 arbeiteten insgesamt circa 163.000 ausländische Arbeitskräfte im Reichsgau Niederdonau, das das heutige Niederösterreich, das Burgenland und Teile Südböhmens und -mährens umfasste. In Amstetten wurden in zwölf sogenannten „Ausländerlagern“ an den jeweiligen Industriestandorten circa 800 zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus über zehn Nationen, vornehmlich aus Frankreich und Belgien, untergebracht und zur Arbeit gezwungen. Darüber hinaus waren in der Umgebung von Amstetten ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter in der Landwirtschaft zwangsverpflichtet. Gegen Kriegsende wurde ein Außenlager des KZ-Mauthausen eingerichtet, dessen Insassen, bedroht von ständigen Luftangriffen, zur Instandsetzung der Bahnstrecke herangezogen wurden. Ab August 1944 kamen 621 ungarische Jüdinnen und Juden in diversen Betrieben im Kreis Amstetten unter lebensbedrohlichen Bedingungen zum Arbeitseinsatz, ehe sie im April/Mai 1945 in sogenannten Todesmärschen nach Mauthausen getrieben wurden.
Dieser Vortrag behandelt anhand eines Vermittlungsprogramms für die Ober- und Unterstufe die Zwangsarbeit während der NS-Zeit im Reichsgau Niederdonau mit einem speziellen Fokus auf Amstetten. Untermauert werden die Erlebnisse der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter durch Lebensgeschichten, Interviews und den dazugehörigen historischen Hintergründen. Als Grundlage dieses Konzepts dient ein Projekt zur Zwangsarbeit im Silbertal (Vorarlberg), das für Erinnern.at entwickelt wurde.
Aussender: Johann Anglberger, Stadtgemeinde Amstetten, Kulturabteilung, Rathausstraße 1, 3300 Amstetten, Tel 07472/601-348, j.anglberger@amstetten.at