In acht Stationen widmet sich der „Klangraum im Herbst“ in diesem Jahr dem Thema „Unendlichkeit“ mit Alter und Neuer Musik. Thomas Bieber zum heurigen Leitgedanken: Das Motto bezieht sich auf ein wunderbares Rätselbuch, „Unendlichkeit - Geschichte eines Augenblicks". Es ist eine fiktive Biografie über einen großen und widersprüchlichen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Der „englische Thomas Bernhard“ Gabriel Josipovici hat es verfasst, der Intendant der Wiener Festwochen und neuer Leiter der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, hat es ins Deutsche übersetzt. Liebevoll von den Rezensenten als Notenschlüsselroman bezeichnet, erkennen Suchende in der Figur des Tancredo Pavone den italienischen Komponisten Giacinto Scelsi.“ Wir haben acht Veranstaltungen zum Thema Unendlichkeit erdacht, die in Waidhofen, Ybbsitz, in St. Ägyd und in Purgstall spielen.
Adrian Eröd und Günther Groissböck öffnen den Blick in die Unendlichkeit mit Liedern von Schubert, Mozart, Holst und Ravel, Markus Hinterhäuser, Nicole Beutler und Timna Brauer erzählen über den Komponisten und Philosophen Scelsi. Tamara Stefanovich, Barbara Lüneburg und Helge Stiegler verweben Scelsis Musik mit Werken von Ligeti und Bach. In der nur mit Kerzen beleuchteten Basilika am Sonntagberg verbinden zu Allerheiligen der Chorus sine nomine die Musik von Gregorio Allegri und Knut Nystedt mit Scelsis meditativen Klangbetrachtungen.
Die Veranstaltungen im Überblick:
HORIZONTE DES UNENDLICHEN - Sonntag, 6. September, 18 Uhr
Kristallsaal im Schloss Rothschild in Waidhofen an der Ybbs
Adrian Eröd – Bariton | Christoph Traxler – Klavier
Werke von W. A. Mozart, Maurice Ravel, Gustav Holst, Gustav Mahler
Kulturbegeisterte können im Sommer Adrian Eröd gemeinsam mit Günther Groissböck bei den Salzburger Festspielen im Rosenkavalier bewundern, im September ist der Publikumsliebling der Wiener Staatsoper wieder zu Gast in Waidhofen! Adrian Eröd eröffnet den Klangraum im Herbst mit einem außergewöhnlichen Programm: So ist der erste Teil dem religiös-philosophischen Aspekt der Unendlichkeit gewidmet, allumfassend bei Mozart, indisch-archaisch bei Holst, bei Mahler zweifelnd mit Nietzsche und naiv-fröhlich in des Knaben Wunderhorn. Schubert berichtet danach von den unendlichen Qualen der Bestraften im Tartarus, mit der ewigen Frage nach dem Sinn des Lebens schließt sich der Kreis bei Ravel zur unendlichen Melodie des Kaddisch. Ein außergewöhnlicher Liederabend, der vom Kultursender Ö1 gesendet wird.
JEDER KLANG EIN UNIVERSUM - Sonntag, 13. September, 18 Uhr
Kirche St. Aegidi bei Windhag in Waidhofen an der Ybbs
Nicole Beutler – Rezitation | Helge Stiegler – Blockflöten
„Ein Komponist, sagte er, der die Zeit hat, das zu tun, was er am besten kann, nämlich komponieren, ist der glücklichste Mensch überhaupt … Jede Note ist eine Welt … Jeder Klang ein Universum …“.
In „Unendlichkeit. Die Geschichte eines Augenblicks.“ skizziert der Schriftsteller Gabriel Josipovici mit der Figur des Tancredo Pavone ein wunderbares Bild des eigenbrötlerischen Komponisten Giacinto Scelsi. Scelsi, der das Glück hatte, reich geboren zu sein, lebte ausschließlich für seine Musik und seine geistige Bildung. Autor Josepovici konnte für sein Buch in das Archiv des Komponisten Einblick nehmen, in seiner fiktiven Biografie schuf Josepovici ein herrliches Werk voller Lebensweisheit und Poesie. Nicole Beutler, einem breiten Publikum durch Film und Fernsehen bekannt, erzählt von Scelsis merkwürdigen und immer außergewöhnlichen Ansichten, Blockflötenvirtuose Helge Stiegler stellt den Werken Scelsis Kompositionen von Bach und Purcell gegenüber. Danach stärken sich die Besucher bei Most, Wein und Speckbroten, tratschen über Scelsi und beobachten von St. Ägyd den Sonnenuntergang.
GESCHICHTE EINES AUGENBLICKS - Samstag, 19. September, 19.30 Uhr
Riesswerke bei Ybbsitz
Markus Hinterhäuser liest aus seiner Übersetzung von „Unendlichkeit - Geschichte eines Augenblicks“ | Tamara Stefanovic – Klavier
Werke von Scelsi & Ligeti
Der Chef der Wiener Festwochen und neue Intendant der Salzburger Festspiele ist ein Scelsi-Kenner. 2007 hat Markus Hinterhäuser mit Regisseur Christoph Marthaler einen Scelsi-Zyklus bei den Salzburger Festspielen ausgerichtet, 2012 erschien seine Übersetzung von „Unendlichkeit. Die Geschichte eines Augenblicks“.
Das außergewöhnliche Buch von Gabriel Josipovici versteht es, kein einziges Mal den Namen der Person preiszugeben, von der es handelt. Nur ein mysteriöses Zeichen auf der Rückseite des Buchumschlags, ein Kreis mit einem Strich darunter, gibt einen Hinweis: Es ist das Zeichen, das Giacinto Scelsi (1905–1988) verwendet hat, wenn er um ein Porträt gebeten wurde – sich fotografieren zu lassen, mochte der italienische Komponist gar nicht.
Am zweiten von drei Abenden liest Markus Hinterhäuser aus seiner Übersetzung, erzählt von Scelsis sympathischen Spleens, seiner Meinung zur Zwölftonmusik und über die Frauen im Allgemeinen wie im Besonderen, aber auch über die späterhin so umstrittene Kunst des Protagonisten. Scelsis Interpretin am Klavier ist Tamara Stefanovich. Die Konzertpianistin liebt neue wie alte Musik und wird für ihre klugen und virtuosen Programme vom Publikum bewundert und gefeiert. Bösendorfer wiederum bringt das Werkzeug für das Bad in Scelsis Klangwelten mit, seine Neuentwicklung des großen Konzertflügels, die Ende 2015 der Öffentlichkeit präsentiert wird.
TRAUER – FREUDE – ENDLICHKEIT - Sonntag, 27. September, 18 Uhr
Schloss Seisenegg
Arsio Piano Duo |Susanna Artzt & Manfred Wagner-Artzt – Klavier
Werke von Brahms, Schubert, Mozart, Chopin, Scelsi
Vom Requiem über die Meditation bis zu Walzer wird ein Weg vom Tod zurück ins Leben gefunden. Mit Brahms beginnt und endet der Abend, über Scelsi – den geistigen Patron dieses Klangfestes – Mozart und Chopin finden wir zurück in die Endlichkeit, in die Walzerseligkeit.
Zum Donauwalzer hat Brahms, der mit Strauß befreundet war, gesagt: „leider nicht von mir“ – und dann hat der Norddeutsche selbst auch eine Hand für die Wienerischste aller Musikformen bewiesen. Susanna Artzt & Manfred Wagner-Artzt führen virtuos und einfühlsam über diesen windungsreichen Weg.
Aussender / Kontakt: Mag. Thomas Bieber, Festivalleitung, thomas.bieber@klangraeume.at , www.klangraeume.at