Livia Klingl und Daniel Zipfel am Mo. 16. 11., 19:30 Uhr, im Café Zum Kuckuck, Amstetten
Europa zwischen „Das Boot ist voll“ und „Wir sterben aus“ – Livia Klingl und Daniel Zipfel lesen aus ihren Büchern und diskutieren.
Nicht gutmenschig, sondern hochgradig pragmatisch greift Livia Klingl ein heißes Eisen an: Während immer mehr Menschen vor Gewalt und religiösem Fanatismus, vor Krieg und Hunger fliehen, zieht Europa die Festungsmauern hoch – und beraubt sich damit selbst vieler Zukunftschancen. Es ist nicht nur humanitäre Pflicht und geltendes Gesetz, Flüchtlinge aufzunehmen, es ist auch sinnvoll, ja notwendig, Zuwanderung zuzulassen.
Die Geburtenraten in Europa sinken, die Menschen werden immer älter, beides Faktoren, die den Wohlstand und das Sozialsystem ins Wanken bringen. Selbst wenn es kaum jemanden schert, dass das Mittelmeer zum Massengrab verkommen ist und gegen jene Fremden Stimmung gemacht wird, die es mittels professioneller Schmuggler bis zu uns geschafft haben: Es wäre aus reinem Eigennutz hoch an der Zeit für eine neue Ausländerpolitik. Eine, die es Flüchtlingen ermöglicht, in einem solidarischen Europa ein neues Leben in Frieden zu finden, und die Wirtschaftsmigranten einen geordneten Zuzug erlaubt – der letztlich auch uns zugutekommt.
Livia Klingl, geboren 1956 in Wien, mehr als 20 Jahre Kriegs- und Krisenberichterstatterin vom Balkan über Afghanistan bis Irak, Iran und Libanon, neun Jahre Leiterin des Außenpolitikressorts im Kurier und Buchautorin. Österreichischer Staatspreis für „publizistische Leistungen im Interesse der Geistigen Landesverteidigung“ im Jahr 2000, wohnt als passionierte Realistin (Eigendefinition) in Wien Rudolfsheim-Fünfhaus, dem Bezirk mit der niedrigsten Kaufkraft und dem höchsten Ausländeranteil.
Ludwig Blum ist ein rechtschaffener Mann. Er glaubt an die Gesetze. An den Staat. An die Gerechtigkeit. Als Fremdenpolizist in Traiskirchen, dem größten Flüchtlingslager Österreichs, leistet er Hilfe, wo er kann, und unterlässt sie, wo ihm die Hände gebunden sind. Bis es um die Abschiebung von Aram Khalil geht und im Zuge einer Betreuungskrise Hunderte Flüchtlinge auf der Straße schlafen müssen. Da beginnt Ludwig Blum an den Gesetzen zu zweifeln und daran, ob die Welt eine gerechte ist. In diesem Moment begegnet er dem afghanischen Schlepper Nejat Salarzai, der ihm auf brutale Weise eine andere Art der Ordnung vor Augen führt.
Daniel Zipfel, geboren 1983 in Freiburg im Breisgau, lebt und arbeitet in Wien als Autor und Jurist in der Asylrechtsberatung. Zahlreiche Stipendien und Preise: u.a. Longlist des MDR-Literaturwettbewerbs 2014, Start-Stipendium des BMUKK 2013. Seine Erzählungen sind in österreichischen Literaturzeitschriften erschienen. „Eine Handvoll Rosinen“ ist sein erster Roman.
Julian Schutting liest neue Texte und Gedichte am Di. 17. 11., 19:00 Uhr, Rathaussaal, Amstetten
(in Kooperation mit Kulturwochen Amstetten)
Die aktuellen Bücher von Julian Schutting sind „Blickrichtungen“ (Residenz Verlag) und „Der Schwan“ (Jung und Jung Verlag). In „Blickrichtungen“ begibt sich ein Dichter auf Reisen. Die Genauigkeit seines Blicks und seine Sicht lassen uns an seinen Augenabenteuern und Horizonterweiterungen teilhaben. Wir durchwandern mit ihm einen japanischen Wald, Neumoskau, das Revolutionsmuseum von Hanoi und bewundern mit ihm die Windtürme der iranischen Stadt Yazd.
Julian Schutting, geboren 1937 in Amstetten. Studium der Geschichte und Germanistik. Lebt in Wien.
Philosophisches Café mit Nina Scholz zum Thema Ehre am Mi. 18. 11., 19:00 Uhr, Café Exel, Amstetten
Der Begriff der Ehre scheint im Kontext religiöser Moralvorstellungen primär auf sexuellen Normvorstellungen zu beruhen. Menschenrechtsverletzungen, also Gewalt im Namen der Ehre, sind häufig die Folge. Impulsreferentin: Nina Scholz, Herausgeberin des Buches „Gewalt im Namen der Ehre“.
Aussender: Ernst Gassner und Fritz Rafetseder, Verein Kulturhof Amstetten, www.kulturhof.at