FRAME IT. ÜBER DAS VERHÄLTNIS VON AKTION UND DOKUMENT
Die Ausstellung versammelt unterschiedliche performative Formate im Ausstellungsraum und verhandelt damit die Spanne zwischen performativer Äusserung, Ablage und Publikum. Gemeinsam mit einem Vortrag über das Forschungsmodell archiv performativ und der Gesprächsrunde, öffnet sie ein Diskussionsfeld für die Rezeption, Dokumentation und Tradierung von Performancekunst.
Die Performancekunst steht ein wenig zwischen den Stühlen, sie bildet eine Schnittmenge, spannt ein Feld auf vom Ausstellungsraum über die Bühne hin zum öffentlichen Raum. Der Ausstellungsraum bietet der Performance keine Blackbox im Sinne eines Theaters mit eindeutiger Front, Bestuhlung und Beleuchtung. Oft mangelt es an Platz für das Publikum, manchmal auch an Aufmerksamkeit des selbigen. Was aber sind denn die Qualitäten eines solchen Ortes für die Performancekunst? Welche Performances entstehen dort? Künstler_innen die in diesem Raum agieren, suchen nach anderen Formen als jener der Aufführungssituation. Der Prozess gewinnt an Bedeutung. Vom Konzept über die Probe zur Live-Performance, weiter zur Repräsentation in einem anderen Medium ... und wieder zum Anfang? Die Dokumentation gilt längst nicht mehr als reines Abspeichern und wieder Aufrufen eines Ereignisses. Viele Künstler_innen begreifen sie als wichtigen Teil ihrer Praxis und Ressource weiterführender Arbeiten. Gleichzeitig ist sie Grundlage für das Nacherzählen, das Weiterschreiben von Performancekunst, Basis für das Wissen über diese Kunstform. Das Artefakt ermöglicht den Zugang zu einem Werk, wenn die Aufführung längst beendet ist. Es dient als Hinweis, der eine performative Handlung vergegenwärtigen kann, indem er einen Rahmen für sie zeichnet. Das Dokument wird zum Einblick in das Davor und das Danach der Aktion, zum Einblick in die Verdichtung eines Prozesses.
to frame sth. = festlegen, formen, formulieren, gestalten, rahmen
Ausstellungsdauer: FR 26 02 2016 - SA 05 03 2016
Künstler_innen: Ana Mendes, Iris Dittler, Bettina Kattinger, Andrej Polukord, Sööt/Zeyringer
Konzept: Marlies Surtmann
Veranstaltungstermine:
25 02 2016, 18.30H: Vortrag von Pascale Grau, Gesprächsrunde mit Pascale Grau, Olivia Jaques (Moderation), Sabine Marte, Romy Rüegger und Angela Strohberger
MO 29 02 2016, 17 – 19 Uhr: Workshop mit Iris Dittler, Anmeldung unter: nina.kohlbauer@kunstraum.net
Vortrag und Gesprächsrunde
TRADIERUNG VON PERFORMANCEKUNST – ZWISCHEN DOKUMENT UND WEITERSCHREIBUNG
DO 25 02 2016, 18.30H
Bericht aus dem Forschungsprojekt archiv performativ. Ein Modell-Konzept für die Dokumentation und Aktualisierung von Performancekunst von Pascale Grau. Anschließende Gesprächsrunde mit Pascale Grau, Olivia Jaques (Moderation), Sabine Marte, Romy Rüegger und Angela Strohberger
Das Projekt erforschte und untersuchte verschiedene Artefakte und Dokumentationsformen, die im Kontext von Performancekunst entstehen respektive wie deren Potenzial tradiert werden kann. Es beteiligt sich damit am Diskurs über lebendige Archive, das kulturelle Gedächtnis und die künstlerische Forschung. Archive müssen sowohl handelnd angeeignet werden, also öffentlich zugänglich sein, als auch Handlung provozieren können, um als Tradierungsmedium kulturell relevant zu bleiben. […] Mit dem Ausstellungs- und Vermittlungsprojekt archiv performativ: stellten wir einen Raum zur Verfügung, in dem modellhaft erprobt werden konnte, wie sich ein Archiv und deren Artefakte performativ weiterschreiben lassen. (Pascale Grau, Auszug aus dem Abstract zum Vortrag)
Weitere Information zum Projekt: www.zhdk.ch/?archivperformativ
Workshop mit Iris Dittler
A_BODY CONSTRUCTION
MO 29 02 2016, 17 – 19 Uhr
Der Workshop mit Iris Dittler basiert auf ihrer in der Ausstellung Frame it. Über das Verhältnis von Aktion und Dokument gezeigten Arbeit A_BODY CONSTRUCTION
Der Workshop soll die Möglichkeit bieten, den eigenen Körper unabhängig von tänzerischen Leistungsansprüchen als Raum zu begreifen, der künstlerisch ausgelotet werden kann. In Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen, wie auch in der Arbeit mit skulpturalen Objekten geht es um die Erforschung der Materialität des Körpers und das Aufspüren einer inneren Architektur. Ziel ist es, den Körperraum differenzierter zu sehen, ihn sozusagen in seine Elemente, Bereiche und Schichten zu gliedern, ihn mit einem Vorstellungs - Denken kurzzuschließen und eine andere Art der Kunst - Rezeption zu eröffnen. (Iris Dittler)
Anmeldung und Information: nina.kohlbauer@kunstraum.net
Teilnahme: max. 10 Personen
WEITERE VERANSTALTUNGEN DER REIHE:
Performance und Ausstellung AURA UNDERCOVER
DO 15 09 2016, 19 Uhr
Ein Ausstellungsraum muss viel aushalten. In ihm wird installiert und performt, Ausstellungen werden eröffnet, Kontakte geknüpft, man zeigt sich und zeigt Kunst. Hier treffen sich Erfolg und Niederlage, Begeisterung und Langeweile, Gunst und Missgunst. Der Ausstellungsraum kann sich nicht zurückziehen. Er ist ein Archiv.
Verändert sich ein Ausstellungsraum durch die permanente Einwirkung künstlerischen Ausdrucks?
Ausstellungsdauer: FR 16 09 2016 – SA 01 10 2016
Künstler_innen: Cornelia Fachinger, Remigius Gnetner/Janine Maria Schneider,
Lena Lieselotte Schuster, Georg Winter/S_A_R Projektbüro
Konzept: Cornelia Fachinger, Lena Lieselotte Schuster
Veranstaltungstermine:
SA 01 10 2016: Teilnahme im Rahmen der Langen Nacht der Museen
Performancereihe 2016 m e a n w h i l e . . .
Performance ist ein eindrückliches Medium - Konzentration aller Möglichkeiten auf eine kurze Zeitspanne - ein intensiver Eindruck für die Erinnerung, denn sie ist die einzig beständige Konstante dieser Kunstform. So das Klischee.
Doch uns interessieren die Zwischenräume, die tragenden und verbindenden Elemente zwischen den punktuellen Aufführungen, eine erweiterte Form der Sichtbarkeit und Sichtbarmachung von Performance.
m e a n w h i l e . . . ist kein Programm.
m e a n w h i l e . . . ist eine Frage.
Was geschieht mit Performance, wenn die Scheinwerfer der Aufmerksamkeit weiterwandern, die Aufführung vorüber ist? Was ermöglicht Performance? Wie entwickelt sie sich weiter? Was finden wir, wenn wir uns mit den Zwischenräumen beschäftigen?
Und mit welcher Motivation wollen wir einem Medium eine fragile Dauer verleihen, dessen wesentlichste Eigenschaft die kurze Präsenz in der Durchführung ist?
Kuratorin: Sissi Makovec
Aussender / Besucherinfos: KUNSTRAUM NIEDEROESTERREICH, Niederösterreichische Museum Betriebsges.m.b.H, Herrengasse 13, A-1014 Wien, Telefon: +43190 42 111, Fax: +43190 42 112 E-Mail: office@kunstraum.net, Website: www.kunstraum.net