Vom "edlen Wilden" zu "Blütenportraits" und "Wildnissen"
"Blütenportraits" und "Wildnisse" nennt Melanie Bankl u.a. ihre aus längeren Naturbeobachtungen entstandenen Werke, die ab 9. März 2016 in der "Galerie im ersten Stock / Kunst im Raum" zu sehen sein werden. Die gelernte Architektin und langjährige Vermittlerin von Akt- und Architekturzeichnen im Bereich der Erwachsenenbildung, beschäftigt sich seit 2012 hauptberuflich mit Malerei und Grafik. Bevorzugte künstlerische Themen sind vegetative Motive und autobiographische Themen.
"lichte Saat" Malerei & Grafik, Öl und Mischtechnik von Melanie Bankl
Kunst im Raum, Galerie im ersten Stock, Babenbergergasse 24, 2340 Mödling, office@kunstimraum.at . Vernissage 9. März 2016, 19 Uhr
Dauer der Ausstellung bis 19. März 2016, DI-FR 17-19 Uhr, SA 10-13.30 Uhr
Melanie Bankl über meditative Naturbeobachtungen und deren künstlerische Umsetzung
Im Alter von etwa zehn Jahren begegnete Melanie Bankl etwa zeitgleich den Werken von Henri und Jean Jacques Rousseau. Beide - weder verwandt noch im selben Jahrhundert tätig - setzte das Kind, die gerade begonnen hatte, die Malerei zu entdecken, gleich und hielt sie für ein und dieselbe Person. Ein Irrtum, wie sich später herausstellte. Doch ein durchaus inspirierender, denn auch heute noch sieht Melanie Bankl eine geistige Beziehung zwischen den beiden Namensvettern:
Glaubte doch Jean Jacques, der bekannte Philosoph des 18. Jahrhunderts an den "edlen Wilden" und dass der Mensch von Natur aus gut gewesen wäre - bis dann die Zivilisation über ihn gekommen ist. Und in Henris Urwaldbildern scheint an der Wende zum 19. Jahrhundert wiederum das verlorene Paradies, aus dem eben jener "edler Wilde" vertrieben wurde, bewahrt zu sein. Und Henri Rousseau selbst wird von seinem Zeitgenossen, dem Dichter Apollinaire als Primitiver (= "edler Wilder"?) eines neuen Zeitalters bezeichnet.
Diese frühe Sehnsucht nach einer heilen Natur prägt auch das Schaffen der Malerin Melanie Bankl. Doch geht sie noch einen Schritt weiter (zurück) und beruft sich auf die Lehre des Zen, wonach, so Bankl "der Mensch und die Natur keine getrennten Einheiten darstellen, sondern alles was lebt – Mensch, Tier und Pflanze – eine miteinander verbundene Einheit bildet, von demselben Wollen getrieben, die allem Lebendigen innewohnt und ohne Anfang und ohne Ende von einem Daseinszustand in den nächsten übergeht."
"Ausgehend von der Saat keimt die Pflanze rasch und wächst zum Licht empor, stirbt dann zum Schein, denn sie geht doch wieder ein in eine neue lichte Saat, aus der wiederum Leben entspringt – es gibt keinen Anfang und kein Ende, nur den Zyklus der Jahreszeiten, der das Leben der Pflanze bestimmt."
In der "Galerie im ersten Stock " zeigt Bankl vor allem Werke, die in den Jahren 2012 bis 2014 entstanden, hauptsächlich Motive aus dem Wald oder auch aus der näheren Umgebung – Rinden und Pflanzen, aber auch leere Schneckenschalen oder tote Insekten im Spätherbst. In der meditativen Beobachtung der Natur und in der künstlerischen Umsetzung findet Bankl Parallelen zum eigenen Werden, Sein und Vergehen - und macht diese in ihren Werken sicht- bzw. erlebbar.
Aussender: KUNST IM RAUM "Galerie im ersten Stock", 2340 Mödling, Babenbergerg. 24, office@kunstimraum.at