Platz für Kunst präsentiert:
Da war mal ganz viel Leben - Chernobyl 30 Jahre nach dem Super-GAU
Eine Ausstellung wider das Vergessen, von Roland Verant
Ende April 1986 erreichen die ersten Meldungen über einen Unfall in einem sowjetischen Atomreaktor die Nachrichtensendungen der westlichen Welt. Die Berichte sind gespickt mit Konjunktiven und Relativierungen – mangels belastbarer Information will sich niemand genau festlegen. Erst als nach und nach Konkreteres durchsickert, wird klar, dass in Chernobyl das Undenkbare geschehen ist. Mit weitreichenden Folgen für ganz Europa.
Mittlerweile sind dreißig Jahre vergangen. Bis heute geistert das Unglück in den Köpfen der Menschen umher, gibt hie und da die Pointe in einem Witz über beliebige Arten von Deformierung und den Sündenbock für diverse in unseren Breiten auftretende Krebsfälle. Chernobyl ist zum Synonym für die Gefahren der Atomenergie geworden, zu einem schrecklichen, aber unauslöschbaren Teil des menschlichen Kulturerbes.
In bisher acht Reisen hat der in Südtirol aufgewachsene Wahlwiener Roland Verant insgesamt 47 Tage in der Sperrzone von Chernobyl verbracht, um mit eigenen Augen zu sehen, was zurückbleibt, wenn die größte jemals von Menschenhand verursachte Katastrophe einmal eingedämmt ist.
Entstanden sind dabei über 25.000 Bilder, die auf eindrucksvolle Weise jenes vermeintliche Ödland dokumentieren, das seit der Katastrophe von der Natur zurückerobert wird. Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen einer erstaunlich vielfältigen Welt, aus der der Mensch sich selbst vertrieben hat.
In Zusammenarbeit mit der Bad Vöslauer Kulturplattform „Platz für Kunst“ macht der Fotokünstler Roland Verant anlässlich des dreißigsten Jahrestages der Katastrophe erstmals Teile seines privaten Archivs der Öffentlichkeit zugänglich. Entstehen soll dabei eine Ausstellung, die neben der Präsentation von Bildern umso mehr Informationsquelle sein möchte.
Leider ist, auch angesichts der Nuklearkatastrophe von Fukushima aus dem Jahre 2011, das Thema nach wie vor hochgradig emotional besetzt, und nur selten findet sich Spielraum für sachliche Diskussion. Objektive Information, die keine Agenda verfolgt, ist kaum zu finden. Zu mächtig erscheinen die Lobbys auf beiden Seiten.
Doch genau das sucht diese Ausstellung zu bieten: vorgefertigte Meinungen, politische Agenden oder ideologische Färbung wird der Besucher hier nicht finden. Vielmehr soll er durch die Präsentation von Fakten und Bildern einen Einblick in das Thema erhalten, der ihn dazu bringt, sich seine eigene Meinung zu bilden. Denn eines ist sicher: kalt lässt der Super-GAU und seine Folgen niemanden.
Ausstellungsort: Energiegebäude der Kammgarnfabrik Bad Vöslau, Hanuschgasse 1, 2540 Bad Vöslau
Wegen der großen Nachfrage: Verlängerung bis zum Samstag, den 7.5. 2016
Öffnungszeiten:
Montag 2.5.2016 bis Mittwoch 4.5.2016, 16 bis 20 Uhr
Donnerstag (Christi Himmelfahrt Feiertag) 12 bis 20 Uhr
Freitag, 6.5. 2016, 16 bis 20 Uhr und Samstag, 7.5. 2016, 14 bis 20 Uhr
Weitere Infos: www.platzfuerkunst.at
Aussender: Anita Tretthann, anita.tretthann@tmo.at