Welcher ist der wahre Gott? Welche ist die wahre Religion? „Nathan der Weise“ stellt die Frage nach Toleranz und gutem Handeln jenseits religiöser Ideologisierung. Toleranz ist ein malträtiertes Wort in diesen Tagen. Mahnend wird sie von den einen gefordert, warnend von den anderen hinterfragt. Lessing appelliert in seinem Aufklärungsdrama an den Frieden zwischen den Religionen und kritisiert die Gewalt der Religion. Er verlegt sein Stück ins 12. Jahrhundert, in das von Muslimen besetzte Jerusalem. Der Jude Nathan hat seine Familie verloren. Sie wurde von Christen ermordet. Das Schicksal will es so, dass ihm ein Findelkind, ein Christenmädchen, in die Hände fällt, das er aufnimmt und als seine Tochter Recha im jüdischen Glauben großzieht. Als Recha von einem jungen Christen, einem Tempelherrn, aus ihrem brennenden Haus gerettet wird, verlieben sich die beiden. Der Tempelherr ist von Sultan Saladin begnadigt worden, weil er ihn an seinen verstorbenen Bruder erinnert hat. Am Ende stellt sich heraus, dass Recha und der Tempelherr Geschwister sind und der gemeinsame Vater tatsächlich der verstorbene Bruder Saladins ist.
Regisseurin Daniela Löffner lässt in Jerusalem zugleich Schnee und Asche vom Himmel fallen. Nathans Haus ist abgebrannt, die Stadt wird belagert von Kreuzrittern, die auf den Waffenstillstand spucken. In Zeiten akuter Bedrohung liegen die Nerven besonders blank – das kommt einem auch hierzulande nur allzu bekannt vor. Die Asche regnet bis zur berühmten Ringparabel. Danach ist der Himmel so klar, wie die humane Vernunft in den Köpfen der Figuren sein sollte. Löffner macht aber klar, dass hier ein Märchen abläuft, das einem Komödienschema entlang geschrieben ist: vom Hausbrand, der wundersamen Rettung von Nathans Tochter durch den selbstlosen Tempelherrn über Verwechslungen bis zum Happy End der wieder vereinten multireligiösen Großfamilie. Auf betörende Weise legt die Inszenierung jene Glut frei, die selbst dieses aufklärerische Stück nicht löscht: fanatischer Exzess, skrupelloser Terror gegen Abweichler, Mord an Kriegsgefangenen.
St. Galler Tagblatt
Mit: Christian Baumbach, Ludwig Boettger, Gottfried Breitfuß, Klaus Brömmelmeier, Benedict Fellmer, Robert Hunger-Bühler, Julia Kreusch, Elisa Plüss, Johannes Sima
Inszenierung: Daniela Löffner
Bühne: Claudia Kalinski
Kostüme: Katja Strohschneider
Freitag, 17.02.2017 19.30 Uhr* / Sa 18.02.2017 18.00 Uhr!**
* Einführungsgespräch um 18.30 Uhr ** Einführungsgespräch um 17.00 Uhr
Gastspiel Schauspielhaus Zürich – Österreich-Premiere
Mit freundlicher Unterstützung von schweizer kulturstiftung prohelvetia
Landestheater Niederösterreich Rathausplatz 11, 3100 St. Pölten
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