Zwischen Heimatmuseum und völkischer Wissenschaft
Vortrag von Amstettens Stadtarchivar Dr. Thomas Buchner
Am 8. März 1937 entdeckte der Schuhmacherlehrling Johann Kornbichler in einem Acker des Schlossermeisters Josef Geiger in Mauer zahlreiche Objekte aus der Römerzeit. Dr. Josef Schicker, Primar der Heilanstalt Mauer-Öhling, der sich durch seine Forschungen zum Römerlager Lauriacum in Enns einen Namen gemacht hatte, erkannte die Bedeutung des Fundes. Die führenden Archäologen des Landes bestätigten die Annahme Schickers: Bei dem Fund von Mauer handelte es sich um Objekte, die in die erste Hälfte des 3. Jhdts. n. Chr. datierten und dem Dolichenuskult zuzurechnen waren. Dieser Kult hatte sich, ausgehend von der in der heutigen Türkei liegenden antiken Stadt Doliche, ab dem 1. Jhdt. n.Chr. im Römischen Reich ausgebreitet. Da der Fund in unmittelbarer Nähe des Kastells von Mauer gemacht wurde, ist davon auszugehen, dass römische Soldaten den Kult in diese Gegend gebracht hatten.
Noch im März 1937 erwarb die Stadtgemeinde Amstetten die rund 100 Metallobjekte. Aufgrund der großen Bedeutung der Artefakte wurden sie 1938 vom Kunsthistorischen Museum Wien erworben, wo sie auch heute noch in der Antikensammlung zu besichtigen sind. Im Gegenzug erhielt Amstetten u.a. hochwertige Kopien mehrerer Objekte, die zentrale Bestandteile der Archäologischen Sammlung der Stadt sind. Die bekannteste Kopie stellt den Jupiter Dolichenus auf dem Rücken eines Stiers dar. Sie soll im Herbst 2017 an der Universität für Angewandte Kunst in Wien restauriert werden, um auch den nächsten Generationen zugänglich zu sein.
Veranstalter: Verein zur Erforschung der Mostviertler Geschichte (VEMOG) und Bezirksgeschichtlicher Arbeitskreis der VHS Amstetten
Aussender: Johann Anglberger, Stadtgemeinde Amstetten, Kulturabteilung, Rathausstraße 1, 3300 Amstetten, Tel 07472/601-348, j.anglberger@amstetten.at