Kuratorin Ingrid Loibl
19 Frauen, 19 Künstlerinnen stellen am 26. April im DOK des Stadtmuseums St. Pölten, Prandtauerstr. 2 ihre Werke zum Thema: „FRAUEN, die auf MÄNNER schauen“ aus.
Stadtmuseum St. Pölten, Dokumentationszentrum für moderne Kunst Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr, Vernissage: 26. April, geöffnet bis 28. Mai
Die Frage ist natürlich, ob Frauen anders wie Männer schauen/betrachten oder andere Sichtweisen haben. Wir bemühen uns heutzutage vielleicht um gendergemäßes Denken oder Schreiben. Ob dies ein Schritt am Weg zur Gleichberechtigung/Gleichstellung sei, bleibe dahingestellt. Genauso wie der Wunsch danach. Ich z.B. möchte gar nicht Gleiche unter Gleichen sein, bin ich doch etwas Besonderes!
19 besondere Künstlerinnen stellen sich nun diesen Gedanken, dieser Problematik und lassen die Betrachter daran teilhaben. Seit der Einführung des Wahlrechtes für Frauen, der Abschaffung, dass der Ehemann bestimmt, ob die Frau arbeiten geht und dem Aufbruch der 60er Jahre (Tap und Tast-Kino etc.) ist der Blick der Frau sicher aufrechter/selbstbewusster und vielleicht klarer geworden. Sie selbst schaut auf sich im doppelten Sinn des Wortes, (nicht nur bei Eigendarstellungen wie den Selfies). Ihr visueller Blickbogen ist weiter gedehnter/aufgefächerter als der des Mannes. Frauen sagt man ja nach, dass sie ständig ihre Umgebung und nicht nur die Regale im Supermarkt scannen. Ihr Spannbogen des Betrachtens sowie der des Schauens auf ihren Nachwuchs oder der ihr Anvertrauten ist ein größerer. Sie hat ja, ob in der dominanten oder servilen Rolle, gelernt, dass Schauen nicht gleich Schauen ist. Der Blick regiert. Der Blick schafft den Kontakt, die Distanz oder lässt Nähe zu.
Gehen Sie selber nackt auf einen Nudistenstrand und es verändert sich ihr Blick und ihr Sehen/Wahrnehmen (Sieger ist, wer sich die meisten Gesichter merkt!). Sie können dabei ihre Identität finden oder eben lieber nicht!
Haben Sie schon einmal bemerkt, wie hart und kalt der Blick der – man möchte sagen: der fast nackt bekleideten – Models ist? Je weniger diese anhaben, umso leerer schauen ihre Augen.
Klar ist, um auf diese Themenstellung wieder zurückzukehren, dass der Mann das Objekt (vielleicht sogar der Begierde!) ist und die Frau die Sehende. Vielleicht ist sie ja auch die Seherin!
Freuen Sie sich auf die Kunstobjekte im Stadtmuseum und pflegen Sie die Kunst des Austausches mit den Künstlerinnen!
Werden sie ein bisschen weniger zum Objekt, stellen Sie sich nicht als Schauobjekt zur Verfügung; sondern werden Sie selber BetrachterIn und zum Sehenden oder zur Sehenden!
Aussender / Kontakt: Eva Riebler, eva.rie@aon.at