Von 6. Juli bis 23. Juli ist die idyllische Weinstadt Retz erneut Schauplatz des mittlerweile auch international angesehenen Festivals der „Offenen Grenzen“. Bereits zum 12. Mal findet das Festival im Weinviertel gemeinsam mit dem renommierten Hudební Festival Znojmo statt. Diese Zusammenarbeit wurde im vergangenen Jahr durch eine enge Kooperation mit dem angesehenen Festival Concentus Moraviae erweitert und so können sich Besucherinnen und Besucher diesen Sommer auf mehr als fünfzig hochkarätige Veranstaltungen in der Region Süd Mähren - Retzer Land freuen. Auftakt ist dieses Jahr erstmals bereits zu Pfingsten mit vier Konzerten im Rahmen einer Ouverture Spirituelle.
Höhepunkt des österreichisch-tschechischen Veranstaltungsreigens ist jedoch zweifelsohne die Uraufführung einer durch das Team des Festival Retz initiierten und die Kulturabteilung der Niederösterreichischen Landesregierung beauftragten Kirchenoper: Christoph Ehrenfellners "Judas" feiert am 6. Juli um 19:30 Uhr Premiere in der Stadtpfarrkirche St. Stephan. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine der widersprüchlichsten Figuren der neutestamentlichen Überlieferung: Judas Iskariot. Ein Visionär oder ein Fanatiker? Ein schäbiger Verräter oder doch Teil der Fügung in einem übergeordneten, göttlichen Plan? Christoph Ehrenfellner entfernt in seiner hochdramatischen Komposition die Überlagerungen von nahezu zweitausend Jahren Kirchen- und Menschheitsgeschichte und macht dadurch einen leidenschaftlich liebenden und zugleich fanatisch glaubenden Menschen hinter der Legende sichtbar.
Beim Festival in Retz kommt die Neuschöpfung in gewohnt erstklassiger Besetzung zur Aufführung. So wird die Titelpartie von Günter Haumer gesungen werden, der zuletzt als Graf Almaviva in Mozarts „Le nozze di Figaro“ an der Volksoper Wien oder beim Konzertereignis „Christmas in Vienna“ im Wiener Konzerthaus reüssieren konnte. Mit Ursula Langmayr als Cyborea und Sandra Trattnigg als Claudia Procula stehen ihm zwei Sopranistinnen von internationalem Format in den zentralen Frauenrollen zur Seite. Die Partien des Dysmas und des Pilatus wird der Tenor Stephen Chaundy übernehmen, der beim Festival in Retz bereits als Madwoman in Benjamin Brittens „Curlew River“ zu brillieren wusste. Daneben gibt es mit dem Dresdner Bassbariton Meinhardt Möbius und dem slowenischen Bariton Domen Kri?aj, der beim Young Singers Project der Salzburger Festspiele aufhorchen ließ, auch zwei Neuentdeckungen im Ensemble des Festival Retz. Die Musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Andreas Schüller, Regie führt erneut Monika Steiner.
Vom Werkzeug Gottes zur ins Monströse stilisierten Gestalt – das Literaturprogramm 2017
Ausgehend von der Titelfigur der Kirchenoper widmet sich das Literaturprogramm in Retz ebenfalls der mythenumwobenen Person Judas Iskariot, einem Gehassten, der Gottes Sohn mit seinem Kuss verraten und ans Kreuz geliefert haben soll. Seine Geschichte ist die der Schuld ohne Vergebung. Für ihn gibt es keine Liebe, keine Zuneigung, kein Verständnis. Zugleich ist Judas aber auch ein liebender und ein tief gläubiger Mensch, eine vielschichtige Figur, die beim Festival von verschiedensten Blickwinkeln aus beleuchtet werden wird. Beginnend mit Michael Köhlmeier, der am Freitag, den 7. Juli, 19:30 Uhr, "Geschichten von der Bibel", der wohl grandiosesten Geschichtensammlung der Weltliteratur, erzählen wird. Am nachfolgenden Abend (Samstag, 8. Juli), liest der Schauspieler Bernhard Schir, ebenfalls um 19:30 Uhr, aus "Judas", dem aktuellen Buch des vielfach preisgekrönten und immer wieder für den Nobelpreis favorisierten israelischen Schriftstellers Amos Oz. Eine schöne Tradition beim Festival in Retz ist die theologische Einführung zum Thema durch Mag. Clemens Beirer, die der Dechant des Dekanates Retz am Sonntag, den 9. Juli, um 18:30 Uhr, halten wird. Den Ausgangspunkt für Franzobels Roman "Das Floss der Medusa", aus dem er am Samstag, den 15. Juli, um 19:30 Uhr lesen wird, bildet eine historisch belegte Geschichte: 15 von ursprünglich 147 Menschen überleben zwei Wochen lang auf offener See. Menschen, die hilflos auf Rettung angewiesen sind – ein hochaktuelles und humanitäres Thema, das zutiefst den Kern des Menschlichen trifft. Am letzten Literaturabend in Retz greifen die Harfenistin Lucie Delhaye und der Schauspieler Alexander Löffler eine Verteidigungsrede von Walter Jens auf und kreieren am Samstag, den 22. Juli, 22:00 Uhr, mit "Der Fall Judas" einen Abend im Spannungsbogen zwischen philosophischem Diskurs und improvisierter Musik.
Konzerte an außergewöhnlichen Spielstätten
Neben den Lesungen präsentiert das Festival „Offene Grenzen" erneut ein hochkarätiges Konzertprogramm an außergewöhnlichen Spielstätten dies- und jenseits der österreichisch-tschechischen Grenze. Am Samstag, den 8. Juli, spielen Günter Haumer und das Ensemble Festival Retz ab 22:00 Uhr "Notturno" – drei traumverlorene Kompositionen von Samuel Barber, Ottmar Schoeck und Wolfram Wagner. Ein besonderes Highlight folgt am Donnerstag, den 13. Juli: ein Galakonzert auf Schloss Karlslust mit Sandra Trattnigg, Karl Menrad und dem Ensemble Festival Retz. Beginn ist um 19:00 Uhr, der Bus in Retz fährt um 18:30 Uhr am Hauptplatz ab. Zwei Tage später, am Samstag, den 15. Juli, führt die aus Retz stammende Oboistin Katharina Humpel im Nachtkonzert "Nocturne" ab 22:00 Uhr mit ihren Kolleginnen und Kollegen des Ensemble Festival Retz durch einen Abend, an welchem die Kompositionen von Jacques Ibert, Antonín Dvorák und Josef Haydn auf den zarten Widerhall der Finsternis treffen. Der Abend des 20. Juli ist ab 19:30 Uhr ein weiteres Mal dem Composer in Residence Christoph Ehrenfellner gewidmet: "Sinfonia Fiorentina", eine 2011 entstandene Kammersymphonie, kommt gemeinsam mit Franz Schuberts "Oktett in F-Dur" zur Aufführung. Last but not least steht am Samstag, den 22. Juli, ab 19:30 Uhr Gustav Mahlers "Des Knaben Wunderhorn" ergänzt durch Lieder von Josef Marx und Richard Strauss mit der Pianistin Ksenia Reisinger und der Sängerin Ursula Langmayr auf dem Programm.
Kunst und Kulinarisches im Festivalgarten
Nach dem Hauptprogramm lädt das Festival Retz seine Gäste an drei Abenden ab 22:00 Uhr zu einem ungezwungenen Ausklang in den Festivalgarten, einem beliebten Treffpunkt von Künstlerinnen und Künstlern mit dem Publikum. Am 6. Juli, dem Tag der Festival-Eröffnung, wird im Rahmen der öffentlichen Premierenfeier die Formation Karat Apart auf der Open Air Bühne des Hotel Althof musizieren. Tags darauf, am 7. Juli, ist an derselben Spielstätte das Ensemble Brass 'n' Drums zu erleben. Zum Ausklang des Festivals am 23. Juli wandert der Festivalgarten in den Hof von Klinger´s Gästehaus. Dort steigt die Dernierén-Feier als Fest für Fördernde und Künstler/innen, musikalisch umrahmt von Pavel Shalman und Bocki Radenkovic.
Premiere für die "Ouverture Spirituelle"
Der kulturelle Brückenschlag zwischen Österreich und Tschechien wird in diesem Sommer nicht nur mit drei gemeinsamen Veranstaltungen im Rahmen der Festivalpartnerschaft Retz-Znojmo sondern auch mit vier vorangestellten Konzerten im Rahmen einer "Ouverture Spirituelle" in Kooperation mit dem Concentus Moraviae gefeiert. So stehen bereits am Pfingstwochenende, von 3. bis 6. Juni, im Dominikanerkloster Meisterwerke sakraler Musik vom Mittelalter bis zur Gegenwart auf dem Programm. Das Vienna Vocal Consort gestaltet nicht nur am Samstag, den 3. Juni, einen Gottesdienst mit der ersten mehrstimmigen Messvertonung der Musikgeschichte, Guillaume de Machauts "Messe de Nostre Dame", sondern lädt am selben Abend ab 21:00 Uhr auch zum Nachtkonzert "Ex Silentio Noctis". Am Sonntag, den 4. Juni, folgt um 19:30 Uhr, das Konzert "Officium Divinum", mit dem international renommierten Vokalensemble Cantar Lontano unter der Leitung von Marco Mencoboni und dem Saxophonisten Gavino Murgia, und am Montag, den 5. Juni um 18:00 Uhr, "Adoration" mit dem Countertenor Nicholas Spanos und dem auf Originalklang-Instrumenten musizierenden Pandolfis Consort.
Kooperation mit dem Musikfestival Znojmo
Bereits zur festen Tradition der Festivalpartnerschaft Retz-Znojmo ist das Konzert am Heiligen Stein, einer traumhaft gelegenen vorchristlichen Kultstätte nahe der tschechischen Grenze, geworden, das diesen Sommer bereits am ersten Festival-Wochenende, am Samstag, den 8. Juli, stattfinden wird. Nach einer zirka einstündigen Wanderung mit Start um 09:30 Uhr am Hauptplatz in Retz erwartet die Besucher/innen um 11:00 Uhr, inmitten der Weingärten nahe Oberretzbach, das Ensemble Antonín Stehlík mit einem traditionellen Zymbalkonzert. Am Samstag, den 15. Juli, steht die zweite gemeinsame Veranstaltung am Programm: Der tschechische Starviolinist Pavel Šporcl spielt Werke von Johann Sebastian Bach und Ignaz Franz Biber. "Passacaglia" beginnt um 21:00 Uhr in der Kirche St. Nikolaus in Znojmo, der Shuttlebus fährt in Retz um 20:00 Uhr ab. Eine Woche später, verschmelzen am Samstag, den 22. Juli, unter der Leitung von Roman Válek zwei Kompositionen des Frühbarock, die "Historia der Geburt Christi" und "Die sieben Worte Jesu am Kreuze" von Heinrich Schütz, zu einer einzigartigen musikalisch-szenischen Aufführung. "Historia Christi" beginnt um 21:00 Uhr, der Shuttlebus fährt erneut um 20:00 Uhr ab.
Details zum Programm sind auf www.festivalretz.at nachzulesen. Karten sind über das Festival-Büro Retz office@festivalretz.at oder oeticket erhältlich.
Aussenderin: Mag. Petra Siegele, Leitung Presse- und Öfffentlichkeitsarbeit Festival Retz, Hauptplatz 30, 2070 Retz, presse@festivalretz.at, www.festivalretz.at