Carlos Sauras Liebeserklärung an die argentinische Folklore am 8. August im Schlosshof von Rothschild.
Von 1. bis 29. August lädt der Verein „Filmzuckerl“ im Rahmen der Sommerkino-Initiative des Landes NÖ in Kooperation mit der Stadt Waidhofen an der Ybbs wieder zum Schlosshofkino. Zum bereits siebenten Mal geht es dabei im Schlosshof von Schloss Rothschild in Waidhofen an der Ybbs an vier Dienstag-Abenden auf eine abwechslungsreiche cineastische Reise.
Nach der Eröffnung am 1. August mit „Wilde Maus“ von und mit Josef Hader geht es am 8. August in Kooperation mit dem Weltladen Waidhofen an der Ybbs mit „Argentina“ von Carlos Saura weiter.
Regisseur Carlos Saura führt in „Argentina“ zurück zu den Ursprüngen der traditionsreichen argentinischen Folklore. Anhand einer Reihe choreographierter Szenen nimmt er den Zuschauer mit auf eine persönliche Reise durch verschiedene Regionen Argentiniens mit ihrer faszinierenden Tradition. Sein Ensemble interpretiert in lose verknüpfter Folge überlieferte Paartänze und Choreographien sowie die mitreißend emotionalen Lieder großartiger argentinischer Bands und Sänger. Poetisch, fesselnd und bewegend zugleich führt uns diese vom Meister selbst inszenierte Live-Performance durch die gesamte Geschichte dieses Landes, das so stark geprägt wurde vom besonderen Klang der Gitarren und des Akkordeons. „Argentina“ zeigt durch Musik und Tanz ein Land und seine Einwohner, Landschaft und Geschichte und lässt spüren, wie aus diesen Wurzeln das Wesen der faszinierenden, lebendigen argentinischen Kultur gewachsen ist.
Carlos Saura zählt zur Elite der europäischen Filmemacher. Er wurde 1932 in Spanien geboren und obwohl Sauras Familie den spanischen Bürgerkrieg 1935 in Madrid gut überstanden hatte, beeinflusste der Krieg Sauras filmisches Schaffen in großem Maße. 1966 kam Sauras Film „Die Jagd“ in die Kinos, ein Psychothriller der die gesellschaftliche Wirkung der Franco-Ideologie kommentiert und für den der Regisseur im gleichen Jahr bei den Filmfestspielen von Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde. Während Sauras Kritik an Franco zunächst recht subtil war, wurden seine Ansichten mit der Zeit immer offensichtlicher. Dennoch war die spanische Regierung Saura gegenüber sehr nachsichtig, vermutlich weil seine Filme dem spanischen Kino so viel internationale Anerkennung einbrachten. Nach dem Tod Francos und dem Fall seines Regimes wechselten Sauras Filme zwischen gesellschaftspolitischem Fokus und weniger polemischen Arthouse-Filmen. In den 80er-Jahren erlangte Saura besondere Beachtung für seine Flamenco-Trilogie, die in Zusammenarbeit mit dem bekannten Tänzer und Choreografen Antonio Gades entstand: „Bluthochzeit“ (1981), einer Adaption von „Carmen“ (1983) und „Liebeszauber“ (1986). 1995 widmete sich Saura mit der Dokumentation „Flamenco“ erneut dem spanischen Nationaltanz, bevor er wenige Jahre später im Doku-Drama „Tango“ (1998) begann, den argentinischen Volkstanz zu erforschen.
„In ‚Argentina‘ wollte ich die Kultur der lateinamerikanischen Volkstänze aus einem neuen Blickwinkel zeigen“, so Regisseur Carlos Saura. „Normalerweise ist Folklore in einer Epoche fest verankert und wird daher von Vorurteilen begleitet. Ich glaube, dass man sich beim Flamenco darüber hinwegsetzen sollte. Ich wollte den Menschen in anderen Ländern zeigen, dass diese Musik außergewöhnlich ist, so wie ich es schon früher beim Fado oder beim Tango getan habe. Aber ich verheimliche nicht, dass ich meinen eigenen, sehr persönlichen Blick auf das Genre habe.“
Weiter geht es beim Schlosshofkino am 22. August mit „La La Land“, Damien Chazelles mehrfach Oscar-prämierter Hommage an die klassische Ära des Hollywood-Musicals. Ihren Abschluss findet die diesjährige cineastische Reise im Schlosshof von Schloss Rothschild am 29. August mit der österreichischen Komödie „Was hat uns bloß so ruiniert“ von Regisseurin Marie Kreutzer.
Damit beim Schlosshofkino auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommt, dafür sorgt einmal mehr Schlosswirt Andreas Plappert. Auch heuer wieder kann man das Schlosshofkino vom „Schlosswirt-Gastro-Sitzplatz“ aus genießen und so cineastischen und kulinarischen Genuss perfekt miteinander verbinden. Tischreservierungen unter 07442/53657.
Vor und nach dem Film wird der Schlosshof von Schloss Rothschild von einem DJ stimmungsgerecht beschallt.
Bei Schlechtwetter findet die Vorführung um 21.00 Uhr im Kristallsaal von Schloss Rothschild statt.
Karten sind im Tourismusbüro Waidhofena an der Ybbs, Schlossweg 2, Tel. 07442/511-255, unter tourismus@waidhofen.at, im Weltladen Waidhofen sowie an der Abendkasse erhältlich.
Vorstellungstermine: 8., 22., 29. August, Beginn: jeweils 21.00 Uhr
Eintritt: Vorverkauf EUR 8,-/ermäßigt Euro 6,-
Abendkasse: EUR 9,- /ermäßigt: EUR 7,-
Schlosswirt Gastro-Sitzplätze: Information & Kartenreservierung: Tel 07442/53 657
Weitere Programmpunkte:
Dienstag, 22. August, 21 Uhr: La La Land
USA 2016, Regie: Damien Chazelle
Darsteller: Ryan Gosling, Emma Stone, John Legend, J.K. Simmons
Dauer: 128 Minuten
Die leidenschaftliche Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der charismatische Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling) suchen das große Glück in Los Angeles. Sie halten sich mit Nebenjobs über Wasser und nachdem sich ihre Wege zufällig kreuzen, verlieben sie sich schließlich Hals über Kopf ineinander. Gemeinsam schmieden sie Pläne für ihre Zukunft auf der Bühne und genießen den Zauber der jungen Liebe in „La La Land“ - der Stadt der Träume. Doch schon bald müssen Mia und Sebastian einsehen, dass sie Opfer bringen müssen um ihren Träumen näher zu kommen. Kann ihre Beziehung diesem Druck standhalten?
Dienstag, 29. August, 21 Uhr: Was hat uns bloß so ruiniert
A 2016, Regie: Marie Kreutzer
Darsteller: Manuel Rubey, Pia Hierzegger, Vicky Krieps, Marcel Mohab, Phelline Roggan, Andreas Kiendl
Dauer: 96 Minuten
Drei befreundete Paare, drei Kinder, eine Überzeugung: Man muss nicht notgedrungen zum Spießer verkommen, nur weil man Eltern wird. Marie Kreutzer stürzt sechs mitteljunge, beruflich erfolgreiche Bobos amüsiert in eine neue Welt und den Glaubenskrieg Kindeserziehung. Stella und Markus regeln die Aufgaben rund um Lola paarintern demokratisch. Die unfreiwillig Mutter gewordene Ines (Pia Hierzegger), laut ihrem Partner „Impfgegnerin aus Schleißigkeit“, überantwortet Töchterchen Elvis viel und gerne Chris (Manuel Rubey). Und Mignon (Pheline Roggan) will bei Aimèe alles natürlich halten und richtig machen – das bedeutet etwa auch den Verzicht auf Windeln. Luis (Andreas Kiendl) hat nicht viel mitzureden. Die sechs Erwachsenen reflektieren immer wieder vor Stellas laufender Kamera, was die Elternschaft aus ihnen macht – der Filmakademie-Abschluss der Neo-Mama soll nicht umsonst gewesen sein. Die Antworten gefallen jedoch nicht immer.
Aussender: Verein Filmzuckerl, www.filmzuckerl.at , www.facebook.com/filmzuckerl