SCHAUSPIEL von Dario Fo
mit Barbara Novotny u. T. Bammer
Vereinbarung auf Kosten der weiblichen Würde Dario Fos "Offene Zweierbeziehung"
Antonia funktioniert wie ein Uhrwerk: Sie schmeißt den Haushalt, sie zieht den Sohn groß, nur mit ihrem Mann läuft nichts mehr. Er genießt ihre Häuslichkeit, alles andere – Sex inklusive – holt er sich bei Jüngeren. Antonia vermisst sein Begehren, sie hadert mit sich und ihrem Körper, weil ihre Pobacken ab 35 den Widerstand gegen die Gravitation aufgegeben haben. Also flüchtet sie sich in Selbstmordversuche.
Barbara Novotny und Thomas Bammer balancieren mit großer Leichtigkeit auf diesem schwarzhumorigen Seil, ohne ins allzu Triviale zu stürzen. Sie treten regelmäßig aus den Rollen heraus – als Novotny mitten im ehelichen Trubel die Spieltermine der Produktion anpreist, sogar zu weit. Ist das Publikum nun Verbündeter oder Marketing-Zielgruppe? Plötzlich erwacht Antonia.
Der bizarre Einblick in die vier Wände nimmt Fahrt auf, als sich Antonia wieder einmal im Bad einsperrt, um das Elend mit einer Überdosis Tabletten zu begraben. Sie scheitert erneut, ihr Mann nicht: Er schlägt eine offene Beziehung vor, und das Patriarchat nimmt noch perfidere Züge an. Als er Antonia bittet, mit seiner Geliebten zum Frauenarzt zu gehen, um ihr die Spirale einsetzen zu lassen, setzt sich ein emanzipatorischer Prozess in Gang: Antonia sammelt die Scherben ihrer Würde auf und begegnet einem Tausendsassa – Novotny hat sich längst königlich auf Betriebstemperatur gespielt. Er ist Physiker, Nobelpreisanwärter, Gitarrist und Poet – ihr Gatte rast vor Eifersucht, nur Bammer bleibt um eine Nuance zu harmlos. Er will Antonia zum Sex nötigen, später zuerst sie, dann sich selbst töten. Also erklärt Antonia den Frauentraum als frei erfunden – bis dieser dann doch an der Tür klingelt.
Erwarten Sie bloß kein Happy-End, aber witzige eineinhalb Stunden.
Dario Fo
Die Juroren, die den Italiener Dario Fo (1926–2016) 1997 mit dem Nobelpreis auszeichneten, charakterisierten ihn als einen Bühnenkünstler, „der in Nachfolge der mittelalterlichen Gaukler die Macht geißelt und die Würde der Schwachen und Gedemütigten wiederaufrichtet“. Die Tragikomödie „Offene Zweierbeziehung“ wurde 1983 von Fo selbst und seiner Frau Franca Rame (1929–2013) uraufgeführt.
(pg - Vielen Dank für diese Kritik der nachrichten.at)
REGIE: Georg Mittendrein
PRODUKTION Bruckmühle Pregarten
Kartenbestellung: Tel 0699/1 33 9000 1
Mail: karten@lenautheater.at , Web: www.lenautheater.at
im Kulturamt und an der Abendkassa
Aussender: Richard Maynau, leitung@lenautheater.at , Tel 0699/1 925 01 71