Zur Lage der Architekturpublizistik
Presseclub Concordia, 1010 Wien, Bankgasse 8
"Architektur braucht Kritik" - so lautete der Titel der ORTE-Salonreihe 2017, zu deren Abschluss die deutsche Architekturkritikerin Ursula Baus * eingeladen ist, dieses Thema angesichts der Dominanz digitaler Medien zu reflektieren. In ihrem Vortrag werden zunächst Grundlagen, Geschichte, Funktionen sowie Erscheinungsformen der Architekturkritik beleuchtet. Anschließend widmet sich ihr Referat dem Zusammenwirken von Sprache, Bild, Digitalisierung sowie medienfreier Kommunikation und präzisiert die Relevanz, die eine unabhängige Architekturkritik für die politische und wirtschaftliche Praxis erreichen muss.
Danach erörtern in einem Podiumsgespräch unter der Moderation von Heidrun Schlögl (ORTE-Geschäftsführerin, Krems) Ursula Baus (Stuttgart), Matthias Boeckl (Kunsthistoriker, Chefredakteur von architektur aktuell, Wien) und Christian Kühn (Architekturprofessor und -kritiker, u. a. für Die Presse, Wien) die Produktionsbedingungen von Architekturkritik, das Naheverhältnisse und etwaige Interessens-verquickungen von AutorInnen sowie die kritische Rezeption in Zeiten von Internet und Social Media. Den Abschluss bildet eine Publikumsdiskussion.
Die Teilnahme ist kostenfrei, Anmeldung erbeten unter office@orte-noe.at .
Information unter www.orte-noe.at .
Ursula Bauss: Soll Architekturkritik seriös sein, während Weltpolitik gezwitschert wird?
„Die Werte ausfechtenden Lager in der Weltpolitik werfen gegenwärtig die Aufklärung zurück ins Mittelalter. Weltpolitik wird auf Twittern, Terror und Atombomben reduziert. Die politischen Lager werden einerseits von digital vernetzten Nerds unterlaufen, andererseits von Google, Facebook & Co manipuliert. Zugleich sind sie sowohl im Internet als auch auf der Straße mit Protestkräften konfrontiert, die vermeintlich einfachen Wahrheiten folgen. Werte, die das Zusammenleben von Menschen bestimmen, müssen weltweit neu ausgehandelt werden. Aber wie?
Architekturkritik muss genau dieses Aushandeln im 21. Jahrhundert begleiten; und sie darf und soll es beeinflussen. Eine solche Aufgabe hatte die Architekturkritik noch nie. Deswegen lohnt es sich, ihre gesamtgesellschaftliche Relevanz - technisch, politisch, kulturell und künstlerisch - neu zu positionie-ren. Menschen müssen menschenwürdig leben und arbeiten. Heißt: Wohnen und im Haushalt des Globus einen Ort finden. Wenn derzeit 7,55 Milliarden Menschen ein Zuhause finden sollen, aber nicht können, und 2024 die 8-Milliarden-Grenze überschritten wird - was kann und muss Architekturkritik dann und an welchen Stellen leisten?"
* Ursula Baus studierte Kunstgeschichte und Philosophie in Saarbrücken sowie Architektur in Stuttgart und Paris, war Redakteurin der db und gründete mit gleichgesonnenen KollegInnen frei04 publizistik. Sie war Lehrbeauftragte für Architekturtheorie, in diversen Gremien, Stiftungen und Kuratorien engagiert und stets in Grenzbereichen interessiert: Architektur, Stadt, Ökonomie, Politik. Seit 2017 ist sie Mithe-rausgeberin des eMagazins www.marlowes.de.
Aussender / Rückmeldungen-Kontakt: ORTE Architekturnetzwerk Niederösterreich, Manfred Schimek, Presse-/Öffentlichkeitsarbeit, Steiner Landstraße 3, 3500 Krems, office@orte-noe.at , Tel 02732/783 74