Wie ein Parasit nistet sich der despotische, pensionierte Professor Serebrjakow mit seiner neuen, schönen Gattin Jelena auf dem Landgut seiner verstorbenen Frau ein, denn das Leben in der Stadt ist zu teuer geworden. Seine Tochter Sonja und ihr Onkel Wanja, der Bruder der Verstorbenen, arbeiten seit etlichen Jahren hart für den Erhalt des Guts und ertragen die dortige Einöde nur schwer. Wanja hat zudem die Hälfte seiner Lebenszeit mit dem Lektorieren der vermeintlich weltbewegenden Kunsttheorien des Professors verbracht. Als sich diese nun als vollkommen unbedeutend entpuppen und Serebrjakow zudem eröffnet, das Gut verkaufen zu wollen, um seinen Alterssitz zu finanzieren, sorgt Wanjas schmerzhafte Desillusionierung für eine Eskalation. Er begeht einen Mordversuch, um sich endgültig aus seiner sinnentleerten Abhängigkeit zu befreien. Vergeblich. Wanja schießt daneben. Keine Aussicht auf Veränderung. „Bilder aus dem Landleben“ untertitelte Tschechow 1896 sein Stück, heute könnte es auch „Mosaik einer Depression“ heißen.
Karin Henkel hat sich mit dem Autor Anton Tschechow schon mehrfach befasst. Sie inszenierte bereits erfolgreich „Platonow“, „Der Kirschgarten“ und „Drei Schwestern“.
„Karin Henkels Inszenierung ist keine Parade von Jammerlappen und knuffigen Eisbären, sondern eine schwarze Komödie. Die Langweiler langweilen sich so raumfüllend und ostentativ, dass es selten langweilig wird, und sie dementieren mit ihren slapstickhaften Verrenkungen den Ernst der Lage immer wieder. Mag sein, dass die tragische Seite Tschechows so ein wenig unterbelichtet bleibt, aber Henkel verrät ihn nie an Klamauk und Karikatur. Wenn Wanja erst den Professor mit dem Revolver verfehlt und dann auch beim Selbstmord scheitert, rührt sein jämmerliches Scheitern mehr als jeder Kunstschuss.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung
Mit: Gottfried Breitfuß, Lena Schwarz, Carolin Conrad, Nikola Weisse, Christian Baumbach, Siggi Schwientek, Markus Scheumann
Inszenierung: Karin Henkel, Bühne: Stéphane Laimé, Kostüme: Aino Laberenz, Musik: Alain Croubalian, Video: Robi Voigt, Dramaturgie: Amely Joana Haag
Gastspiel Schauspielhaus Zürich - Österreich-Premiere
Großes Haus
Fr 23.02.18 19.30 * Sa 24.02.18 19.30 *
* Stückeinführung 18.30
Mit freundlicher Unterstützung von prohelvetia schweizer kulturstiftung
Landestheater Niederösterreich, Rathausplatz 11, 3100 St. Pölten
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