Schon die einfache Nebeneinanderstellung der beiden Begriffe Natur und Form zeigt, dass es hier um keine Über- oder Unterordnung geht. Nicht die romantische Erhöhung der Natur oder deren Dämonisierung stehen im Vordergrund, sondern das Finden von Formen und Strukturen, das Sichtbarmachen von Parallelen und Analogien und das Auslösen von Emotionen.
Renate Habinger, vielfach ausgezeichnete Illustratorin, zeigt – neben einem Bereich, der ihrem neuesten Buch gewidmet ist - Ausschnitte aus ihrem freien künstlerischen Werk. Sie lotet das Spannungsverhältnis von Natur und Form von vielen unterschiedlichen Seiten her aus: Einmal mit lockeren, modulartig zusammensetzbaren Pflanzendrucken in der Botanikserie „Gundelarium“, ein anderes Mal mit glänzenden bunten „Amöben“ oder mit wie Schwämme oder hängende Früchte wirkenden Häkelobjekten.
Martina Pruzina-Golser findet ebenfalls Inspiration in der Natur und zeigt organische Strukturen, die wie mikroskopisch vergrößerte Teile von Blüten und Blättern wirken. Sie lassen an Illustrationen auf alten Schautafeln oder aber durch moderne bildgebende Verfahren gewonnene Ansichten denken. Mit ihren „Schaukästen“ öffnet sich die Künstlerin der dritten Dimension, indem sie mehrere ihrer feinen Blätter wie präzise Schnitte durch ein einziges Objekt hintereinander anordnet.
Peter Wagensonner entdeckt seine Formen in Maserholz, Stämmen und Ästen – aber nicht in regelmäßig gewachsenen, wie von der Holzindustrie bevorzugt, sondern in verzerrten, „umwallten“ oder aufgerissenen Teilen. Das verstärkt die fast barock anmutende Theatralik und Dramatik seines Werks. Es sind Verletzungen, Verdrehungen und Ausbuchtungen – die durch ihre intensive handwerkliche Bearbeitung und rhythmische Gruppierung dennoch einladend und ästhetisch wirken.
Aussenderin / Infos: Lucia Bock, Kulturwerkstätte Kilb, kulturwerkstaette@kilb.at