Im Gedenkjahr 2018 startete die Arbeitsgemeinschaft Gedenken und Bedenken in Hollabrunn von Gabriele Bodei und Patrizia Mantler-Stockinger mit einem Schul- und Bildungsprojekt in Hollabrunn, dessen Ziel die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus als Dauerinstallation in Hollabrunn war. Alle Höheren Schulen Hollabrunns wurden eingeladen, einen Entwurf für ein Mahnmal einzureichen. Zuvor erhielten sie ein Kompendium mit Literatur- und Quellenverzeichnissen und wurden zu Lesungen und Vorträgen über den Nationalsozialismus eingeladen, zum Abschluss besuchten sie den jüdischen Friedhof in Hollabrunn.
Im Juni wählte die Jury, bestehend aus Dr. MSc. Renate Meissner, Stv. Generalsekretärin und wissenschaftliche Leiterin des Nationalfonds, Franz Müllner, Vereinsobmann von Lead Niskor, Robert Petschinka, Künstler, Mag. Johannes Reiss, Direktor des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt und DI Stephan Smutny-Katschnig, Leiter Abteilung Bauverwaltung der Stadtgemeinde Hollabrunn aus insgesamt 15 Entwürfen ein Mahnmal. In die engere Wahl kamen die Entwürfe „Fehlende Puzzleteile“ der BHAK, „Davidstern mit Mahnmal“, „Schwarze abgebrochene Säule“ und „Vertreibung“ von der HTL. Die Jury entschied sich für „Fehlende Puzzleteile“, mit dem die SchülerInnen unter der Leitung von Mag. Christian Suchy ausdrücken wollten, dass durch die Vertreibung der jüdischen Bürger eine Lücke in der Gesellschaft entstanden ist, die nie mehr gefüllt wurde. Auf einem grauen Betonsockel ragen zwei riesige rostige Eisenplatten empor, in die ein Puzzle eingraviert ist. Diese stellen die Bevölkerung Hollabrunns als eine Gemeinschaft dar. Insgesamt fehlen drei Puzzleteile, die für alle Opfergruppen des Nationalsozialismus stehen sollen.
Das Mahnmal wurde von CLATech in Kooperation mit der HTL und der Stadtgemeinde Hollabrunn gebaut und wird am 9.11.2018 um 10 Uhr am Kirchenplatz vor der BHAK in Hollabrunn eröffnet. Im Rahmen der Präsentation des Mahnmales werden die Nachkommen Dr. Peter Maier als Vertreter für die jüdische Gemeinde und Mag. Felix Cikanek als Vertreter für die WiderstandskämpferInnen zu Wort kommen. Bürgermeister Erwin Bernreiter übernimmt die Gedenkrede und Oberkantor Mag. Shmuel Barzilai und Pfarrer Franz Pfeifer sprechen Segensgebete. Über die Idee des Mahnmales erzählen die SchülerInnen.
Die Gedenkveranstaltung am 11.11. um 15 Uhr im Stadtsaal Hollabrunn wird den Projektabschluss bilden, eröffnet von Abg. zum Landtag Richard Hogl in Vertretung von Landeshauptfrau Mag. Johann Mikl-Leitner. Historische Beiträge und Gedenkbeiträge bilden den Schwerpunkt der Veranstaltung, die musikalische Umrahmung wurde vom Musikschuldirektor Mag. Martin Haslinger zusammengestellt: Das Klezmer-Stück „Lebedik un Freylach“ von Mike Curtis wird vom Klarinettenensemble Elemkaluja gespielt, bei „Theme Schindler’s Liste“ wird Elemkaluja von Aliosha Biz an der Violine, Barbara Haslinger an der Klarinette und Martin Haslinger am Saxophon verstärkt. Den Abschluss bildet „Dance me to the End of Love“ von Leonhard Cohen (Rudolf Pfeiffer – Gesang, Moritz Cermak – E-Bass, Alexander Strobach – Klavier, Lion Dungl – Schlagzeug, Christoph Dunkl – Gitarre, SongBirds – Backgroundvocals, Aliosha Biz – Violine).
„Vergangenheit gedenken – Gegenwart bedenken – Zukunft denken“ lautet der Titel der Gedenkschrift, die bei der Gedenkveranstaltung präsentiert wird. Sie bietet nicht nur einen Überblick über das Projekt und die Mahnmalentwürfe der engeren Wahl und die Bedeutung von Gedenken, sondern thematisiert u.a. den „Opferbegriff“ in einem Beitrag von Dr. Renate Meissner und Dr. Joseph Klement, widmet sich der „Vernichtung der jüdischen Gemeinde in Hollabrunn“ von Dr. Alfred Fehringer und den Widerstandskämpfern in einem Artikel von Gabriele Bodei. Von Dr. Johannes Reiss stammt ein Beitrag zur Bedeutung der jüdischen Friedhöfe und von Mag. Patrizia Mantler-Stockinger zum jüdischen Friedhof Hollabrunn.
Die Erinnerung und das aktive Bedenken sind Formen der Wertschätzung des Lebens, das wir hier in Österreich als rechtsstaatlicher Demokratie leben können. Die Idee, dass Jugendliche diesen Raum der Erinnerung für sich, für die vorangegangene und für nachfolgende Generationen gestalten soll, hebt die Tatsache hervor, dass Geschichte niemals endet und immer wieder gestaltet werden muss. Zudem schafft diese Form der generationsübergreifenden Wissensvermittlung und Erarbeitung der eigenen Historie ein Verständnis gemeinschaftlicher Identität und trägt dazu bei, sich selbst als aktiven Bestandteil der Gesellschaft wahrnehmen zu können.
Die Erinnerung ist eine mysteriöse Macht. Sie bildet Menschen um. Wer das, was schön war, vergisst, wird böse. Wer das, was schlimm war, vergisst, wird dumm. Laotse
Aussenderinnen: Gabriele Bodei, Patrizia Mantler-Stockinger, ARGE Gedenken und Bedenken in Hollabrunn, gebedenken@gmail.com , www.gebedenken.at