Samstag, 20. Juli 2019, Urhof20 in Grünbach: Eine künstlerische Sternstunde, die dem zahlreich erschienenen Publikum deutlich machte, dass Angst vor Zwölftonmusik völlig unangebracht ist.
Der unmittelbare Anlass der im Urhof20 noch bis 21. September gezeigten Ausstellung ist mit der Zahl 19 verknüpft: Im Juli 1919 schuf der Wiener Neustädter Komponist Josef Matthias Hauer als op. 19 das Klavierwerk „Nomos“, dessen Besonderheit darin liegt, dass es die erste je komponierte Zwölftonkomposition darstellt. Workshops, Führungen, Vorträge und Konzerte fügen sich mit der Ausstellung zu einem großen Ganzen.
So auch TAsten-TAnz-TAgtool: Das Trio, im Verlauf der Jahre intensiver künstlerischer Zusammenarbeit zu einer unverwechselbaren Einheit geworden, zeigte sich mit Hauers Musik von einer neuen Seite: abstrakter, aber nicht weniger berührend, damit Ausdrucksformen beinahe „kosmisch-mathematischer“ Poesie zum Leuchten bringend. Es ist angebracht, auf die drei Künstler einzeln einzugehen:
Der Grünbacher, aber in TAiwan lebende und wirkende Pianist Albert Mühlböck hatte aus Hauers Kompositionen eine überzeugende und kluge Auswahl getroffen. Die aus allen drei Schaffensperioden stammenden Stücke interpretierte er, emotionaler gefärbt als vielleicht erwartet, mit viel Feinsinn im Detail, zugleich in klarer Zeichnung der großen Linien.
Bea von Schrader wirkte in ihrer Interpretation des (ganz und gar nicht eintönigen) zwölftönigen Hauerschen Musik-Kosmos wie auf einem fernen Planeten, manchmal maschinenhaft-mathematisch wie ein Roboter, dann wieder emotional zeichnend und gleichsam jugendlicher als je zuvor.
Was Dieter Puntigam zu gestalten und als Real-Time-Creation zu zaubern und zu bezaubern vermag, war wieder einmal mit neuen Elementen versehen und war, obzwar Malkunst vom Feinsten, zugleich musikalisch und tänzerisch und fügte sich als kongenialer Part in der Eindreiheit von TA-TA-TA.
Im ersten Programmteil wurde Hauers Musik eingebettet in Friedrich Hölderlins und Hermann Hesses Gedichte – mit Bea von Schrader als überzeugender Rezitatorin - und in die beiden von Hauer geschätzten Komponisten Bach und Mozart. Am Schaffensprozess von Mozarts musikalischem Würfelspiel konnte sogar das Publikum teilhaben.
Das Publikum dankte mit langem und kräftigem Applaus. Auch Grünbachs Bürgermeister Peter Steinwender, heute Professor an jener Schule, die seinerzeit Josef Matthias Hauer besuchte (Wiener Neustadts „NÖ Landes-Proseminar für die Lehrerausbildung“, später „Lehrerbildungsanstalt“ und nun kurz BORG genannt), ließ es sich nicht nehmen, der Aufführung beizuwohnen. Er kann stolz sein, dass es solch ein Kunstzentrum in seiner Gemeinde gibt. Werner Schulze
Aussenderin: Beatrix von Schrader, office@urhof20.at