Vergangene Woche postete der Aktionskünstler, der für seine politisch brisanten Aktionen bekannt ist, hunderte Todesmeldungen von verstorbenen Künstler*innen in den sozialen Medien – diese Woche setzt er seine Arbeit im öffentlichen Raum fort.
In Wien und St. Pölten initiierte der Künstler eine Plakat- und Citylightskampagne mit dem Schriftzug "#wirlebennoch - Die Künstler*innen", um die Notwendigkeit einer lebendigen Kunst und Kulturlandschaft aufzuzeigen.
Unterstützt wird die Aktion von Kulturformat und der Landeshauptstadt von Niederösterreich. „Ich würde mir wünschen, dass es über die Aktion #wirlebennoch eine intensive Diskussion, nicht nur in St. Pölten, sondern auch in Österreich und in unserer Gesellschaft gibt und dass dieser Zusammenhalt, der in vielen Bereichen gelungen ist, gerade auch bei Kunst und Kultur und den Kulturschaffenden zum Tragen kommt und hier die Unterstützungsbereitschaft mindestens genauso wie in der Wirtschaft gegeben ist“, so Matthias Stadler, Bürgermeister der Stadt St. Pölten.
Morgen grob ma Tote aus
Verunglückte Pressekonferenzen, exzistenzbedrohende Verordnungen und die Angst, vor dem was uns das Corona-Virus und die Bundesregierung noch bescheren wird.
Die Kunstwelt steckt in der Krise - und das inspiriert den Aktionskünstler donhofer. Er plakatiert Poster im öffentlichen Raum und postet Todesmeldungen von verstorbenen Künstler*innen in den sozialen Medien, um Lebenszeichen auszusenden.
8 Jahre lang hat donhofer. Todesmeldungen von Künstler*innen auf news.orf.at gesammelt, um diese innerhalb von einer Woche im 30-Minutentakt via Facebook zu posten. Kunstschaffenden soll durch die Aktion #wirlebennoch eine Stimme verliehen werden, der Gesellschaft soll bewusst werden, dass Kunst und Kultur harte Arbeit, ein Wirtschaftsfaktor und geistige Nahrung sind.
"Obwohl die Politik selten eine Möglichkeit auslässt, um Österreich das Kulturnation-Pickerl aufzudrücken, frage ich mich seit einigen Tagen, welchen Stellenwert Kunst und Kultur in unserem Land hat. Dass Künstler*innen mit Almosen und Hinhaltetaktik abgespeist werden, während große Wirtschaftsunternehmen unverhältnismäßig hohe Hilfsleistungen bekommen, ist in meinen Augen eine Verhöhnung - eine Verhöhnung aller Künstler*innen, Veranstalter*innen und letzten Endes aller, die Kunst und Kultur konsumieren."
donhofer. thematisiert mit seiner Arbeit #wirlebennoch auch die eigene Existenz als Künstler und sieht in der aktuellen Situation eine Chance um den Stellenwert von Kunst und Kultur neu zu verhandeln. „Statt als Bittsteller um Zuwendungen zu betteln, sollten wir Künstler*innen uns solidarisieren und den Wert unserer Arbeit einfordern. Jeder Handwerker weiß, was er in der Stunde verlangen kann – warum weiß die Kreativbranche nicht, was sie wert ist? Die Krise zeigt uns jetzt in aller Härte, was schon seit Jahren passiert.“
donhofer., der seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen eine wöchentliche Online Vernissage unter dem Titel KUNSTdONNERSTAG veranstaltet, um interessante Künstler*innen zu präsentieren ist sich sicher: „Unsere kunstbegeisterten Besucher*innen wissen zu schätzen, was wir ihnen in dieser schwierigen Zeit geben. Sie werden auch nach der Krise nicht vergessen, dass wir noch leben.
"A schöne Leich" hat in Österreich bekanntlich einen hohen Stellenwert – Am schönsten ist "die Leich" allerdings, wenn es sich um eine/n Künstler*in handelt.
Auf der Website des Künstlers findet sich eine Sammlung aller Künstler*innen, welche zwischen Jänner 2012 und April 2020 verstorben sind: www.donhofer.com/wirlebennoch
donhofer. ist ein österreichischer Aktionskünstler, Zeichner und Maler. Bildnerische und performative Elemente spielen in der Kunst von donhofer. eine wichtige Rolle, bedeutsam ist ihm auch die Einbindung des Publikums. Häufig verwendet er für seine Pop Art-Werke den Edding-Stil, arbeitet aber auch mit Acryl auf Karton und Leinwand. Thematisch bezieht sich seine Kunst oftmals auf gesellschaftliche Missstände des 21. Jahrhunderts, die sich um die Themenkreise Macht, Dekadenz, Geld und Medien drehen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde donhofer. durch seine Aktion „donhofer. lässt Gras über den Burgtheater Skandal wachsen“ bekannt, in welcher er Rollrasen vor dem Burgtheater verlegte. donhofer.s Arbeiten wurden u. a. im Bildraum 01 (Wien), der Galerie Martinetz (Köln), der AJG Gallery (Hluboka, Tschechien), der Plakatsammlung Basel, in der Kunsthalle Wien und im Museum Galerija Portreta (Tuzla, Bosnien) gezeigt. In Bosnien wurde donhofer.s Werk Children with hammer stilettos 2011 bei der INTERBIFEP (International Biennal Festival of Portrait) mit dem grand diploma of drawing ausgezeichnet. Öffentliche Ankäufe wurden durch die AJG Gallery (Hluboka, Tschechien) und kontinuierlich durch die Landessammlung Niederösterreich getätigt.
Aussender / Infos: donhofer. www.donhofer.com , Tel 0676/620 48 24, office@donhofer.com