CAPERNAUM. STADT DER HOFFNUNG
Dienstag, 15.09. (dF) | Mittwoch, 16.09. (OmU) | 19 Uhr | KIAM
Regie: Nadine Labaki | LBN 2018 | 126 Min | Sozialdrama
"Capernaum" ist hebräisch und bezeichnet eine ungeordnete Ansammlung von Objekten, einen Ort voll Chaos. Zu Beginn des Films sehen wir den 12-jährigen Zain in einem Gerichtssaal – als Ankläger seiner eigenen Eltern. Auf die Frage nach dem Warum antwortet er: „Sie haben mich auf die Welt gebracht.“ Und in chronologisch geordneten Rückblenden erzählt nun diese hochemotionale Fabel der libanesischen Regisseurin Zains Vorgeschichte.
Seine Familie lebt unter schlimmsten Verhältnissen in einer kleinen ranzigen Wohnung in Beirut. Wie viele Kinder die Eltern haben, bleibt unklar, aber es sind viele. Die Kleinen wuseln in allen Ecken herum, das Jüngste ist mit einer Kette am Bein irgendwo befestigt, damit man es nicht die ganze Zeit beaufsichtigen muss. Zain ist der Älteste, gefolgt von seiner Lieblingsschwester Sahar. Sie ist erst 11 Jahre alt, als ihre Eltern sie an ihren Vermieter verheiraten wollen, um nicht aus der Wohnung zu fliegen. Verzweifelt versuchen die Kinder, dies zu verhindern, doch sie haben keine Chance. Und so läuft Zain von zu Hause weg, nur mit einem Beutel voll Gewand und drei Packungen Instant-Nudeln. In den Slums findet er Zuflucht bei der aus Äthiopien stammenden Rahil, die illegal als Putzfrau in einem Vergnügungspark arbeitet ...
Nadine Labaki und ihr Team arbeiteten insgesamt mehr als sechs Jahre an dem Film. Davon entfielen allein vier auf Recherchen unter Kindern aus den Armenvierteln. Aus deren Mund erfuhr man von extremen Fällen von Vernachlässigung und Missbrauch.
Fast alle Schauspieler, die in dem Film mitwirken, sind Laien. Manche spielen sogar mehr oder weniger sich selbst – allen voran Zain, der als 8-Jähriger mit seiner Familie aus Syrien hierher gekommen war, und, statt eine Schule zu besuchen, durch Botenjobs zum Familienunterhalt beitrug.
Auf die Frage, ob der Libanon nicht doch ein besseres Land sei, als ihr Film es zeige, antwortet die Regisseurin: „Ich fürchte, die Realität dort ist härter und noch weniger auszuhalten, als sie in Capernaum beschrieben wird.“ Weiters meint sie, es hätten sich viele Missstände gebildet, und die systematische Korruption im Land hätte zu Verhältnissen geführt, die moderner Sklaverei gleichen. Trailer
Aussenderin: Katharina Karl, PERSPEKTIVE KINO AMSTETTEN - VEREIN ZUR FÖRDERUNG VON FILMEN, Friedhofstraße 11, 3300 Amstetten, Tel 0680/232 19 18, perspektivekino.at