Di, 13.10. 2020 (dF) | Mi, 14.10.2020 (OmU) | 19 Uhr | KIAM Galerie Amstetten
Regie: Lukas Dhont | BEL, NL 2018 | 109 Min | Drama
Bei seiner Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes wurde Girl vom Publikum mit 15-minütigen stehenden Ovationen gefeiert. Das Drama wurde auch mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit der Goldenen Palme für die beste Regie.
Die 17-jährige Lara (eindrucksvoll verkörpert vom damals 14-jährigen Victor Polster) ist transgender. Der Film setzt ein, als Lara sich auf die ersehnte Geschlechtsumwandlung vorbereitet und eine Hormontherapie beginnt. Das verkompliziert die schon unter „normalen“ Umständen nicht einfachen pubertären Umbrüche in Laras Leben. Aber Lara setzt ihrem Leidensweg noch eines drauf: Sie will Balletttänzerin werden. Und daher ist Laras liebevoller und allein erziehender Vater mit ihr und ihrem kleinen Bruder nach Brüssel gezogen, damit sie dort die renommierte, nationale Ballettschule besuchen kann ...
Girl ist ein emphatisches Porträt, das seine ganze Spannung aus der Einfühlung in Laras schwierige Situation bezieht. Der Film legt mit zahlreichen Szenen Wert darauf, herauszustellen, wie sehr ihr Umfeld sie unterstützt und akzeptiert – und lenkt gerade dadurch den Blick auf jene Stolpersteine und Dilemmas, vor denen kein noch so liebevoller Beistand den Teenager bewahren kann.
Als Inspiration diente dem Regisseur die belgische Transfrau und Tänzerin Nora Monsecour. Er schrieb zusammen mit Angelo Tijssens das Drehbuch für seinen fiktionalen Film, ohne Monsecour dabei zu erwähnen, was auch deren Wunsch entsprach. Während der Arbeit am Drehbuch suchte Dhont des Öfteren Rat bei Monsecour, weiteren Transmenschen, Psychologen und Ärzten.
Girl wurde aber keineswegs nur mit Lob bedacht; es gab auch durchaus kontroverse Meinungen. So hat der Film besonders von transgender Pesonen heftige Kritik erfahren, die die Darstellung Laras körperlicher Transition als voyeuristisch und nicht realitätsgetreu empfinden. Manche Stimmen kritisierten, dass der Regisseur und der Hauptdarsteller Cisgender-Personen sind, und es wurde vermehrt darauf hingewiesen, dass der Film vernachlässige, behördliche Hürden und Probleme im Umfeld der transgender Person zu zeigen, die sich als belastender erweisen können als die bloße körperliche Transition selbst.
Filmtrailer
Aussenderin: Katharina Karl, PERSPEKTIVE KINO AMSTETTEN - VEREIN ZUR FÖRDERUNG VON FILMEN, Friedhofstraße 11 | 3300 Amstetten, perspektivekino.at