10. September, 19.30 Uhr: Josef Haslinger im Gespräch
Moderator Klaus Zeyringer spricht mit Josef Haslinger über sein Werk und seine Bezüge zu Niederösterreich. Der Autor liest ausgewählte Textstellen.
Josef Haslinger wuchs im Waldviertel auf und war Sängerknabe im Zisterzienserkloster Zwettl. Bereits während seiner Studienzeit war er im Literaturbetrieb tätig, zählte 1992 zu den Mitbegründern der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch und reüssierte als gesellschaftspolitisch engagierter, politikkritischer Autor.
Seinen Durchbruch zum Bestsellerautor mit hohem inhaltlichen Anspruch erlangte Haslinger mit den Romanen Opernball (1995) und Das Vaterspiel (2000). 2007 publizierte der Schriftsteller den Band Phi Phi Island, der sich mit seinen Erlebnissen während des katastrophalen Tsunamis 2004 auf eben dieser thailändischen Insel beschäftigt. 2011 erschien der Roman Jáchymov, der vor dem Hintergrund des Kalten Krieges die Biographie des tschechischen Eishockeytorwarts Bohumil Modry (1916 - 1963) beschreibt. Mit bewundernswertem Mut, einer ebensolchen Größe, sich jeder revanchistischen Anmutung zu enthalten, analytisch, selbstkritisch und ohne die spirituelle Herkunft zu denunzieren, setzt sich Josef Haslinger im Band Mein Fall (2020) mit seiner Geschichte, der Geschichte des sexuellen Missbrauchs im Sängerknabenkonvikt Stift Zwettl, auseinander. (alle Titel S. Fischer Verlag)
Ort: Stadtbibliothek Mistelbach, Franz Josef-Str. 43, 2130 Mistelbach
11. September, 18 Uhr: „Wie können wir darüber erzählen?“ Anna Weidenholzer & Hans Hochstöger
In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945, wenige Tage vor Kriegsende, wurden 228 jüdische Frauen, Männer und Kinder im niederösterreichischen Dorf Hofamt Priel erschossen, nach ihrer Ermordung mit Benzin übergossen und teilweise verbrannt.
Filmemacher Hans Hochstöger und sein Bruder Tobias, der als Politikwissenschafter tätig ist, sind in dieser Gegend aufgewachsen. Im Dokumentarfilm Endphase (2021) erzählen sie über dieses Massaker in ihrer Heimat. Die Mörder wurden nie gefunden, nach ihnen wurde nie ernsthaft gefahndet, niemand wurde jemals zur Rechenschaft gezogen. Das Entsetzliche wurde in bewährter Manier weggeschwiegen. Basierend auf Hochstögers Film hat sich die Autorin Anna Weidenholzer in einem Essay, der die Frage stellt, wie man mit diesem furchtbaren Teil der österreichischen Geschichte schreibend umgehen kann, auseinandergesetzt. Ihr Zugang lautet: „Zweihundertachtunzwanzig Kinder, Frauen und ältere Männer. Über das Schweigen, das Gräben zudeckt, möchte ich schreiben, über das Schweigen, das Leben auslöscht."
Moderation: Klaus Zeyringer
Die Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit der Schallaburg.
Ort: Pfarrbibliothek Korneuburg, Ägydiussaal, Kirchenplatz 1, 2100 Korneuburg
Info & Sitzplatzreservierung: daslandliest.at , Tel 02732/72 884
Aussender: Literaturhaus NÖ & Treffpunkt Bibliothek, daslandliest.at