Gutshof Fratres, Fratres 11, 3844 Waldkirchen/Thaya
Vor 75 Jahren, von Dezember 1947 bis Juli 1948, war Paul Celan, aus Bukarest kommend, in Wien und reiste dann weiter nach Paris. In der von Otto Basil herausgegebenen Literaturzeitschrift Der Plan konnte er seine ersten Gedichte in deutscher Sprache veröffentlichen. Keinesfalls wollte sich Celan in die marode „österreichische Geistigkeit“ dieser Zeit integrieren lassen. Celans Vater war in einem nazi-deutschen Arbeitslager am Prut an Typhus gestorben und seine Mutter wenig später ermordet worden, er selbst litt Zeit seines Lebens an einem „Überlebensschuld-Syndrom“. Sein damals bitteres Fazit: „Mit Literatur (…) lässt sich hier in Wien nicht viel anfangen.“ Gleichwohl lernte er über Hans Weigel DichterInnen kennen, die ihm sehr zugetan waren: Milo Dor, Reinhard Federmann und Ingeborg Bachmann. In einem Prolog skizziert Elmar Csaplovics den Weg Celans vom Arbeitslager in Tăbărăști (1943) nach Wien. Der Film Nacht und Nebel (1955) von Alain Resnais, der poetisch-tiefgründigste Dokumentarfilm über die Nazi-Konzentrationslager, wird durch die Musik von Hanns Eisler und in der deutschen Fassung durch den begleitenden Text von Paul Celan mitbestimmt und vermittelt das Celan Zeit seines Lebens prägende Trauma des nationalsozialistischen Terrors in Osteuropa.
Der Kultur- und Zeithistoriker Marcus G. Patka, seit 1998 Kurator am Jüdischen Museum Wien, macht in einem Vortrag mit dem Titel Displaced. Paul Celan in Wien 1947/48 auf Grundlage eines reichen, teils kaum bekannten Bildmaterials Celans Aufenthalt im Wien der unmittelbaren Nachkriegszeit eindrucksvoll erlebbar. Nach der Pause spricht der Lyriker und Literaturwissenschaftler an der Universität Olmütz Radek Malý, der aktuell wichtigste tschechische Interpret des Celanschen Werkes sowie seiner Verbindungen zu Böhmen und Mähren und gleichzeitig der zur Zeit maßgebende Übersetzer von Celans Werken in die tschechische Sprache, über Celans Rezeption in Tschechien.
Am Ende des Programmes steht die Lesung von Timna Brauer, die unter Bezug auf das Celan-Zitat Es ist Zeit, dass der Stein sich zu blühen bequemt neben Gedichten von Paul Celan Lyrik und Erzählungen von Rose Ausländer, Edgar Hilsenrath und Else Lasker-Schüler sowie von zeitgenössischen Autoren wie Christian Teissl und Wolfgang Hermann präsentiert.
Kooperationspartner: Tschechisches Zentrum Wien
Veranstalter und Kontaktdaten: Kulturbrücke Fratres, Fratres 11, 3844 Waldkirchen/Thaya, www.kulturbruecke.com , Peter Coreth, Mobil 0664/150 82 82, p.coreth@aon.at
Aussender / Tagesverantwortung: Elmar Csaplovics, elmar.csaplovics@tu-dresden.de