Kunstraum Weikendorf, Rathausplatz, 2253 Weikendorf
Ausstellungsdauer: 18.04. - 27.09.2026
Die erste Ausstellung des Jahres wird von dem deutsch-ghanaischen Künstler von Jojo Gronostay bespielt. Er hat für den von außen einsehbaren Ausstellungsraums eine ortsspezifische Arbeit entwickelt, die Lokales und Globales in Zusammenhang bringt. Einerseits reagiert der Künstler auf den in ländlichen Regionen grassierenden Schwund von Kleinhandel und Nahversorgung. Zugleich wird unser globales Konsumverhalten, gerade was Mode und Textilien betrifft, zum Thema - der Kunstraum wird zum Showroom.
Von April bis September verwandelt Gronostay den Kunstraum mit seinem wandgroßen Schaufenster in ein vermeintliches Modegeschäft, einen Showroom. Seine Installation dreht sich rund um das Themenfeld Wert, Entwertung und Verwertung von Kleidung und den damit in Verbindung stehenden Problematiken der Modeindustrie.
Zu sehen ist eine Auslage mit Kleiderpuppen, die Outfits des 2017 vom Künstler gegründeten Modelabels ‚Dead White Men’s Clothes‘ (DWMC) tragen. Der ungewöhnliche Name verweist auf das ‚Weiter-Leben‘ unserer, in Europa getragenen Kleidung, nachdem sie nicht selten über Altkleidercontainer den Weg auf den afrikanischen Kontinent gefunden hat und dort in Ghana auf einem der weltgrößten Umschlagplätze für textile Secondhandware landet.
Die Bezeichnung geht auf den ghanaischen Ausdruck ‚Obroni Wawu‘ zurück, was sich mit ‚Kleidung toter weißer Männer‘ übersetzen lässt. Sie hat ihren Ursprung in den 1970er-Jahren, als erstmals große Mengen gebrauchter Kleidung aus dem ‚Westen‘ nach Ghana gelangten. Den Menschen dort erschienen die Textilien aber in so gutem Zustand, dass die Vermutung nahe lag, die ursprünglichen Besitzerinnen und Besitzer seien verstorben und die Kleidung deshalb frühzeitig entsorgt worden. Die Bezeichnung sagt viel über unsere Wegwerfgesellschaft, Fast Fashion und die dafür benötigte, gering entlohnte Arbeit aus. Auch die grundsätzlichen Unterschiede der Wertesysteme in Europa oder Afrika werden sichtbar.